Django und die Bande der Gehenkten (Joe der Galgenvogel)

Preparati La Bara!

★★★ +++

  • Jahr: 1968
  • Regie: Ferdinando Baldi
  • Darsteller: Terence Hill, Horst Frank, George Eastman, José Torres, Pinuccio Ardia, Bruna Simionato, Guido Lollobrigida, Luciano Rossi, Spartaco Conversi...

Story

Kurzfassung (offenes Ende)

Django (Terence Hill) nutzt seine Stellung als Henker, um unschuldig zum Tode Verurteilte Männer zu retten, und formt aus diesen eine „Bande der Gehenkten“, um sich damit an Lucas (George Eastman) und Gouverneur David Barry (Horst Frank) zu rächen, die fünf Jahre zuvor seine Frau töteten…

Kurzfassung (komplett)

Der skrupellose David Barry (Horst Frank) tut alles dafür, um Gouverneur zu werden. So heuert er den Kriminellen Lucas (George Eastman) und dessen Bande an, um für ihn Goldtransporte zu überfallen, da er dringend Schmiergelder benötigt. Dabei töten die Banditen auch Django (Terence Hill) und dessen Frau – glauben sie. Denn Django ist nicht tot und schwört blutige Rache. Fünf Jahre braucht er, um in seiner neuen Stellung als Henker eine Bande von unschuldig zum Tode Verurteilten, die er mit Hilfe einer speziellen „Weste“ vor dem Galgen rettet, auf die Beine zu stellen, die unter seiner Regie Lucas und seinen Schergen ordentlich Angst macht. Das geht so lange gut, bis seine Männer unter der Führung des gierigen Mexikaners Garcia (José Torres) ihrerseits einen Goldtransport überfallen und mit dem Edelmetall Richtung Grenze abdampfen. Hier legt Garcia alle seine Gehilfen um und kehrt zu seiner Frau Mercedes (Bruna Simionato) und seiner Tochter zurück. Währenddessen greifen sich Lucas und seine Jungs Django, den sie natürlich für Garcias Auftraggeber halten und also den Lagerplatz des Goldes rauskriegen wollen. Bei dieser Gelegenheit kriegt Django auch endlich raus, dass sein ehemaliger Kumpel David hinter dem Tod seiner Frau steckt. Er wird von Mercedes und dem alten Orazio (Pinuccio Ardia) befreit und erledigt direkt Lucas und seine Bande. Anschließend schickt er mit Garcias Hilfe, der sich reuig zeigt und am Ende durch Davids Leute erschossen wird, sowie der eines Maschinengewehres Barry und alle seine Jungs in einem finalen Shootout auf dem Friedhof zur Hölle.

Worte zum Film

gute Darsteller, gute Inszenierung, großartige Musik; ordentliche Story mit sehr cooler Grundidee und sogar nem netten Psychogramm

Bewertung

 

„Das ist doch endlich mal was Neues!“ – Genau!

 

„Django und die Bande der Gehenkten“ ist schon ein kleines Phänomen. Ich würde mal behaupten wollen, dass er – generell und überall auf der Welt – einer der Italowestern mit dem besten Leumund ist. Zusätzlich ist er hierzulande aufgrund seiner Zweitsynchronisation unter dem Titel „Joe der Galgenvogel“ fast schon ein wenig legendär geworden. Oder sollte man ob ihrer „Anti-Popularität“ vielleicht eher von berühmt-berüchtigt sprechen? Schließlich wurde Rainer Brandts ursprüngliche Synchronisation hierzu im Zuge des Erfolgs des Duos Spencer/Hill durch eine neue ersetzt, die auf die großen Filme der beiden und speziell natürlich auf die Trinity-Streifen anspielt und als der Prototyp angesehen werden kann, wo eine Schnodder-Synchro einem Film nicht gerade zum Vorteil gereicht. Und da diese Synchro wirklich nicht für dieses Werk geeignet – und neutral betrachtet eine ganz große Frechheit – ist, sollte man sich selbigen auf Deutsch grundsätzlich wirklich nur mit Brandts Erst-Synchro angucken. So handelt es sich bei diesem Review natürlich auch um eine Betrachtung von „Preparati La Bara!“ mit eben dieser für Brandts Verhältnisse recht neutralen Synchronisation. Und natürlich werde ich später auch nochmal auf diese eingehen, aber vorerst wollen wir uns mal mit dem Film an sich beschäftigen, der mittlerweile definitiv zu den Italo-Klassikern gehört.

Der Grund für seine anhaltende Popularität dürfte wohl der ebenso simple wie interessante Story-Ausgangspunkt sein, den die Drehbuchautoren Franco Rossetti und Ferdinando Baldi hierfür ersonnen haben. Um Rache an den Mördern seiner Frau zu nehmen, baut Django tatsächlich eine „Bande der Gehenkten“ auf, indem er unschuldig zum Tode Verurteilten mit Hilfe einer speziellen „Aufhängung“ das Leben rettet. Diese darf dann als Gang von Wiederkehrern Angst und Schrecken verbreiten. Das ist nicht nur ziemlich cool, das wird in „Preparati La Bara!“ sogar recht realistisch verkauft. Im Gegensatz zu Beiträgen wie „Der Tod sagt Amen“ etwa, in dem auch Leute an einem Haken hängend vor dem Erhängen gerettet werden, was schlicht lächerlich aussieht, macht Djangos „Weste“ hier durchaus den Eindruck, als ob sie einem tatsächlich das Leben retten könnte.

Anschließend halten Rossetti und Baldi hier sogar ein kleines Psychogramm für uns bereit, wenn die so dem Tode Entronnenen sich gar nicht unbedingt dankbar für ihre Rettung zeigen und schon gar nicht Handlanger bei Djangos Racheplänen spielen wollen. (Spoiler) Im weiteren Verlauf entwickelt die Sache ein solches Eigenleben, dass seine Bande sich sogar gegen ihn wendet, seine Anweisungen nicht mehr befolgt und anfängt, richtige Straftaten zu begehen. Und auch an der Stelle gibt es zwei, die da nicht mitspielen wollen und dementsprechend liquidiert werden. (Spoilerende) Das ist in Summe dann vielleicht nicht die Ausgeburt an Realismus, zeigt aber, dass die beiden solcherlei Dynamiken zumindest bedacht haben und verdient im Italo-Bereich daher absolute Anerkennung. (Spoiler) Warum sie José Torres‘ Garcia am Ende dann eine zweite, absolut unglaubwürdige Charakterwandlung verpasst haben, verstehe in diesem Zusammenhang wer will. (Spoilerende)

Auf jeden Fall aber lieferten Rossetti und Baldi mit diesem Füllhorn an größtenteils missgünstigen Individuen so eine Art Italowestern-Prototyp (dieser Zeit) ab. Die tolle, weil sehr düstere, schlammige Atmosphäre tut ihr Übriges dazu, dass Genrefans sich hier sofort heimisch fühlen. Vielleicht haben sich die beiden dabei ein wenig zu stark vom Ur-„Django“ inspirieren lassen. Die Gemeinsamkeiten sind ja stellenweise so evident (Hill als – sehr gelungenes – Nero-Lookalike in genau der gleichen Kutte und mit sehr ähnlicher Ausstattung in quasi der gleichen Umgebung), dass man ihnen fast schon Plagiats-Vorwürfe machen könnte. Allerdings gibt es wohl deutlich schlechtere Vorbilder und ist „Django und die Bande der Gehenkten“ – gerade ob seiner Grundidee – eindeutig eigenständig genug. Leider fällt auch er gegen Ende qualitativ ein wenig ab, aber auch das entspricht ja leider dem „guten Genreton“ ((Spoiler) böse gesagt könnte man behaupten, dass das Feuer, nachdem Lucas (George Eastman) in der wohl besten Szene des Films im Saloon verbrannt ist, ein Stück weit aus ist (Spoilerende)).

Ärgerlich daran ist höchstens, dass der Regisseur Ferdinando Baldi aus seinem auch so schon sehr stimmigen Ende auf dem Friedhof ein wahrliches Glanzstück hätte machen können, wenn er sich dafür einfach ein wenig mehr Zeit genommen hätte (auch Eugenio Alabisos Schnitt ist mir an der Stelle zu hektisch und zu „kaschierend“). Ansonsten aber gibt er sich bei seinem Directing hier kaum eine Blöße (höchstens noch die Szenen, in denen die Gehenkten ihre Ankläger aufsuchen, sind ziemlich uninspiriert umgesetzt). „Preparati La Bara!“ ist sehr sorgfältig und auf jeden Fall überdurchschnittlich inszeniert.

Überdurchschnittlich sind auch die Schauspieler hier. Nun gut, bis auf Hill vielleicht. Ich weiß nicht, liegt es daran, dass man ihn als den Hau-Drauf-Jungen mit dem losen Mundwerk neben (oder auch ohne) Spencer liebgewonnen hat oder dass er in diesem Film einfach nicht auf der Höhe war? Oder konnte Baldi ihn einfach nicht zu Spitzenleistungen motivieren (denn auch in „Blaue Bohnen für ein Halleluja“ ist Hill ja erschreckend schwach)? Ist ja auch egal, jedenfalls kann er leider nicht ganz so überzeugen wie in dem Großteil seiner restlichen Filme. Man nimmt ihm den kalten Rächer einfach nicht in jeder Szene ab, auch wenn er sich wirklich bemüht. George Eastman und Horst Frank dagegen sind mal wieder über jeden Zweifel erhaben und machen einen Super-Job. Überzeugend ist auch die Bande der Gehenkten um José Torres, Guido Lollobrigida, Luciano Rossi und Spartaco Conversi. Und Pinuccio Ardia und Bruna Simionato geben – gerade im Duett – wirklich gute Sidekicks ab.

So und nun noch mal zum – für mich – mittlerweile leidigen Thema Synchronisation hierzu. Ich kann die Diskussion dazu langsam nicht mehr hören und finde sie auch unnötig. Jeder weiß mittlerweile, dass es hierzu zwei Synchros gibt, eine ursprüngliche und eine, deren Ersteller ein wenig übertrieben haben. Diese zweite stammt übrigens nicht von Rainer Brandt selbst (die erste wie gesagt wohl), sondern wurde von der MGS-Synchron GmbH angefertigt. Allerdings lehnt diese sich überdeutlich an seine Arbeiten an und versucht, sein Schnodderdeutsch zu kopieren. Im Zeitalter der Bildtonträger kann nun jeder für sich entscheiden, was er lieber sehen bzw. hören will. Denn ich für meinen Teil würde mir die Jux-Fassung wegen der berüchtigten Sprüche gerne noch mal ansehen, auch wenn ich weiß, dass sie an sich nicht zum Film passt. Aber gerade weil man das weiß, macht es ja Spaß. Schließlich liebe ich Rainer Brandts freche Schnauze und bin auch deren Plagiaten grundsätzlich nicht abgeneigt. Daher kann ich als Fan davon sagen, dass es sich hierbei um die tatsächlich bislang einzige dieser Synchronisationen handelt, die sich wirklich negativ auf einen Film auswirkt (ansonsten hat zumindest Brandt selbst immer eher noch was damit gerettet). Deswegen ist das Thema Zweit-Synchro für mich hiermit abgeschlossen.

Interessant höchstens noch, dass auch die Erst-Synchro schon kein Kind von Traurigkeit ist (s. Zitate) und mit Sprüchen wie „Dachdecker, das wär auch n Beruf für mich.“ die Geschehnisse auf dem Bildschirm teilweise auch explizit in gewohnter Manier kommentiert. Tatsächlich geht ihr die letzte Großschnäuzigkeit, die Brandt in Komödien sonst auszeichnet, aber ab, weswegen jetzt keiner Panik zu schieben bräuchte. Der Meister selbst spricht hier noch den Django, also Hill (und nicht, wie später gewohnt, Thomas Danneberg), was im ersten Moment zwar ungewohnt, im Verlauf aber auch sehr schön für die Ohren ist. Weiterhin hat er mit Christian Brückner eine wirklich exzellente Wahl für die Frank-Synchronisation getroffen. Hätte nie gedacht dass der so gut zu dem gebürtigen Lübecker passen würde.

Und so kommen wir zu dem Schluss, dass das viele Gerede um die Synchronisationen von „Django und die Bande der Gehenkten“ so langsam mal eingestellt werden muss. Schließlich ist auch O-Ton mit Untertiteln heute kein Luxusgut mehr. Denn Baldis dritter Western ist nicht ganz umsonst ein kleiner Klassiker. Der italienische Vorzeige-Vertreter bietet neben seiner coolen Grundidee viele erinnerungswürdige Szenen und eine tolle Atmosphäre. Sowieso ist Baldis Regie gut und sind seine Darsteller herausragend (Hill vielleicht ausgenommen, wenn der einen Anthony Steffen an dessen besseren Tagen (nicht an seinen besten) allerdings noch locker in die Tasche steckt). Angucken muss man sich „Preparati La Bara!“ aber schon allein deswegen, um mal Gianfranco Reverberis mittlerweile auch – und völlig zu Recht – legendärer Musik gelauscht zu haben, die alles in allem wohl das Beste hieran sein dürfte. Viel Spaß dabei!

Zitate

[Django steht mit einem (Luciano Rossi) der „Gehenkten“, die er vor dem Galgen gerettet hat, vor dem Schein-Grab, das er für ihn ausgehoben hat] „Das Gebet für dich können wir uns wohl sparen.“(Django ist Pragmatiker)

[Henker Django steht kurz vor einem neuen Job und besucht den zu Hängenden im Kittchen] „Ich will mit dem Kandidaten warm werden. Man will sich ja menschlich näherkommen, bevor man einen aufhängt.“(Django setzt auf seine sozialen Skills)

„Wer einmal tot ist, bleibt tot.“(Lucas glaubt nicht an Zombies)

[nachdem den Anklägern von Djangos „Gehenkten“ die „Geister der Toten“ erschienen sind, suchen sie Rat bei Lucas und natürlich hat der einen] „Nehmt mal einen anständig zur Brust! Das beste Mittel, womit man Geister vertreiben kann.“(Lucas arbeitet nebenberuflich für die Alkohollobby)

„Schöne Frauen gehören zum Leben wie das Salz zur Suppe. Sie geben dem Leben erst Geschmack.“(Orazio (Pinuccio Ardia) wollte natürlich sagen alle Frauen…)

[Django erklärt seiner „Bande von Gehenkten“ seinen Plan mit dem Goldtransport und macht Anstalten zu gehen] „Und nu löffelt euch das mal in euer Gehirn!“ – „Wo gehst du jetzt hin?“ – „Ich hol die Löffel, du Bandscheibenkater!“(Django deckt schon mal den Tisch)

[Django erklimmt sportlich höchst anspruchsvoll das Dach des Saloons, in dem sich David und Lucas unterhalten, um von deren Gespräch auch was mitzukriegen, und klettert danach wieder zu Orazio hinunter, nur um dort festzustellen] „Dachdecker, das wär auch n Beruf für mich…“(Django hegt Umschulungsgedanken)

„Wo kaufst du bloß deine Anzüge? Ist ja nicht zum Ansehen!“(David Barry beweist Lucas gegenüber Auge)

„Ich hab immer gehungert. Und meine Frau und mein Kind auch. Ich will so nicht mehr leben, verstehst du das?“ – „Dann würd ich doch mal ans Abtreten denken.“(Django macht für Garcia gratis den Lebensberater)

★★★ +++

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Durch die Nutzung der Kommentarfunktion erklärst du dich mit der Speicherung und Verarbeitung deiner Daten gemäß meiner Datenschutzerklärung einverstanden.