Django – Schwarzer Gott des Todes

Starblack

★★★ ++

  • Jahr: 1966
  • Regie: Giovanni Grimaldi
  • Darsteller: Robert Woods, Franco Lantieri, Harald Wolff, Elga Andersen, Andrea Scotti, Renato Rossini, Jane Tilden...

Story

Als Johnny Blyth (Robert Woods) nach Jahren wieder nach Hause zurückkehrt, ist sein Vater erschossen worden, woraufhin seine Mutter (Jane Tilden) dessen Bruder Thomas King (Harald Wolff) geheiratet hat. Auf der Suche nach den Mördern seines Vaters scheint Johnny immer wieder Hilfe von dem mysteriösen, maskierten Rächer Starblack zu bekommen…

Worte zum Film

wie so oft: starker Beginn, schwächeres Ende; ordentliche Darsteller, schöne Farben, ein paar nette Ideen, aber auch nerviges Gegrinse sowie ein paar Unstimmigkeiten am Schluss; komplett vorhersehbar

Bewertung

Giovanni Grimaldi ist ja eher als Drehbuchautor denn als Regisseur in Erscheinung getreten und wenn, dann erinnert man sich wohl eher an seine vielen Komödien (unter anderem drehte er einige Streifen mit Franco & Ciccio). Er soll aber auch (mindestens) einen brauchbaren Western abgeliefert haben. Und tatsächlich, „Django – Schwarzer Gott des Todes“ ist ein ganz netter Vertreter geworden, hat aber leider ähnliche Probleme wie viele Italos.

Damit meine ich jedoch gar nicht mal, dass auch er hierzulande zum „Django“ umfunktioniert wurde, obwohl von einem solchen weit und breit überhaupt nichts zu sehen ist. Allerhöchstens kann man sich darüber amüsieren, dass man hier dann einen der seltsamsten Djangos überhaupt präsentiert bekommt. Dieser ist nämlich ein reiner Zorro-Abklatsch, der mit schwarzer Maske und entsprechenden Klamotten auftritt, den Armen und Wehrlosen zur Seite springt und für die bösen Buben schwarze Sterne verteilt. Daher auch der „Schwarze Gott des Todes“ im deutschen oder – natürlich viel passender – „Starblack“ im italienischen Originaltitel – so wird der unbekannte Rächer und Beschützer nämlich genannt.

Und ja, das ist dann ne coole Symbolik mit dem schwarzen Sheriffstern, aber darin liegt tatsächlich ebenso das erste Problemchen dieser Produktion. Oder glaubt ihr, dass ihr auch nur eine Minute lang rätseln müsst, wer sich hinter der Maske verbirgt? Das ist einem selbstverständlich ab der ersten Sekunde des Auftritts seines Darstellers klar. Daher versucht Grimaldi, der hierzu natürlich auch das Drehbuch selbst geschrieben hat, auch gar nicht, darum ewig ein Mysterium zu machen. Nein, selbst Grundstücksspekulant Curry (Franco Lantieri) und als solcher selbstredend der ausgemachte Bösewicht hier, grenzt den Kreis der Verdächtigen im Film schnell auf gerade einmal zwei Personen ein – die auch dem Zuschauer zuvor als die einzig logischen Kandidaten erscheinen mussten. Ab da geht es dann höchstens noch um die Frage des „Wie macht Starblack das eigentlich?“ – aber selbst das hat man schon raus, bevor Curry überhaupt obige Überlegungen angestellt hat. Und nein, natürlich kann man das von einem Italowestern in der Regel nicht erwarten, aber n bisschen schade ist es schon, dass es so gar nichts zu rätseln gibt.

Auch der Rest von „Django – Schwarzer Gott des Todes“ ist leider komplett vorhersehbar. (Spoiler) Die Figurenkonstellation zu Beginn mit dem toten Vater und dem Onkel, der die Mutter geheiratet hat, ist aber auch einfach zu eindeutig. Um da den Endgegner zu ermitteln, musste es „Quella Sporca Storia Nel West“ damals sicherlich noch nicht mal gegeben haben. Da kamen die Kinozuschauer seinerzeit bestimmt auch so drauf. (Spoilerende) Und trotzdem: Spaß macht „Starblack“ schon – vor allem in der ersten Stunde. Da gibt es so einige nette Ideen ((Spoiler) etwa die Entkräftung des Kugelarguments durch den Sheriff (Andrea Scotti) oder dass Starblack die Rancher Curry mit dessen eigenem Geld bezahlen lässt (Spoilerende)), mitunter wird es sogar richtig fies (man denke an die Szene mit Johnnys Schwester und derem Sohn) und Starblack selbst ist sich auch nicht zu fein, falsch zu spielen, wenn’s seinen Plänen dient. Tatsächlich ist das Schlechteste dieser ersten zwei Drittel eine gruselige Gesangseinlage von Johnny Blyth – der für eine ganze Band singt und spielt…

Das kann man von der letzten halben Stunde aber leider nicht mehr behaupten. Hier werfen sowohl der Film selbst als auch Starblack ihr gesamtes Konzept über den Haufen. (Spoiler) Nach einem selbst für dieses Provinznest einfach nur lächerlichen „Prozess“ gegen den alten Williams (Eugenio Galadini) hat der maskierte Rächer es mit einem Male nötig, auch ja allen zu sagen, wer er denn eigentlich ist. Die Begründung dafür fällt dürftig, fast schon bekloppt aus, die Begründung von Johnnys Mutter für die Heirat mit dessen Onkel Thomas King (Harald Wolff) ist es definitiv. Vor diesem Hintergrund verkommt der Showdown selbstredend wie so oft zu einem reinen Abarbeiten. Bei dem nervt es mit zunehmender Dauer zusätzlich, dass die Bösen wirklich gar nichts checken und noch weniger treffen… Und dann lässt Starblack seine Herzdame da auch noch mit so ner US-Western-Begründung im Regen stehen. (Spoilerende)

Nun ja, Giovanni Grimaldis Optik ist dagegen echt nett und mal ne willkommene Abwechslung. Schön bunt vor vielen unverbrauchten, grünen Locations. Sieht dadurch natürlich noch gar nicht so klassisch italienisch aus, passt aber gut, vor allem auch, weil er nicht – wie so einige andere – mit einem Male zwei Szenen später in der Wüste spielen lässt. Seine Regie geht dabei ebenfalls in Ordnung. Seine Action könnte besser sein (gerade die Shootouts), aber das geht alles auch wesentlich schlechter.

Schauspielerisch hatte er mit Robert Woods auch einen ordentlichen Hauptdarsteller parat, der mir zusammen mit seinem Co-Star Renato Rossini (als Howard Ross) mit seinem Dauergegrinse zuweilen allerdings ein wenig auf die Nerven gegangen ist. Franco Lantieri ist ebenfalls solide, wenn auch fast schon ein wenig zu austauschbar, und auch Elga Andersen war sicherlich schon mal besser. Harald Wolff ist ob seiner kleinen Rolle kaum zu bewerten. Dafür mochte ich Andrea Scotti als schmierigen Sheriff. Außerdem für „Winnetou“-Fans wie mich ganz interessant, dass man tatsächlich auch ein paar bekannte Karl-May-Mimen verpflichtet hat – und Branko Spoljar kriegt im besten Bancroft-Gedächtnis-Outfit natürlich mal wieder auf die Mütze.

Und so ist „Django – Schwarzer Gott des Todes“ vor allem in der ersten Stunde ein wirklich ansehnlicher, kleiner Italowestern geworden, der neben soliden Darstellern, tollen, grünen Landschaften und einer schön bunten Optik auch eine nette Zorro-Variation im Programm hat. Da hätte also wirklich noch mehr draus werden können, wenn Giovanni Grimaldi in der letzten halben Stunde nicht die typischen Italowestern-Fehler inklusive Vorhersehbarkeit, Logiklöchern und einem zu langen, zu uninteressanten Showdown unterlaufen würden. Guckt man natürlich noch locker zu Ende, reicht dann insgesamt aber nicht für mehr als drei Sterne und zwei Plus. Ist dadurch jetzt aber nicht ausgeschlossen, dass ich mir den auch noch ein zweites Mal gebe…

Zitate

noch Fehlanzeige (da ich auf Netflix die italienische Originalversion mit Untertiteln gesehen habe)

★★★ ++

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