La Morte Sull'Alta Collina
★★★ +++
- Jahr: 1969
- Regie: Fernando Cerchio oder Alfredo Medori
- Darsteller: Peter Lee Lawrence, Luis Dávila, Tano Cimarosa, Agnès Spaak, Antonio Gradoli, Nello Pazzafini, Silvio Bagolini, Jesúz Guzmán, Frank Braña...
Story
Kurzfassung (offenes Ende)
Der ehemalige mexikanische Revolutionär Valiente (Tano Cimarosa) verübt für einen unbekannten amerikanischen Auftraggeber so einige Überfälle. Als dabei das erste Mal etwas schiefgeht und der junge Draufgänger Loring Vandervelt (Peter Lee Lawrence) sowie der Revolverheld Parker (Luis Dávila) ihm die Beute abnehmen, entbrennt ein Kampf um den Zaster, bei dem noch so einige andere Figuren ein Wörtchen mitreden wollen…
Kurzfassung (komplett)
Loring Vandervelt (Peter Lee Lawrence) ist das schwarze Schaf der Familie, da er nicht nach den Grundsätzen der Bibel lebt. Besonders stolz ist er auf seine Schießkünste. Schließlich schmeißt ihn sein Vater raus.
Obwohl es ihn nun eigentlich nichts mehr angeht, er sich aber doch um seine Schwester Daphne (Agnès Spaak) sorgt, die vom Vater nach Zwei Pfeile geschickt wird, um dort für ihn Geschäfte zu erledigen, schickt er sie nach Hause und fährt selbst, weil er meint, es sei für sie zu gefährlich. Und er hat Recht. Denn genau an diesem Tag überfällt der verrückte, mexikanische General Valiente (Tano Cimarosa) die Bank des Ortes. Da seine Leute einen Arbeiter seines Vaters erschießen, greift Loring ein und bekommt dabei Unterstützung von dem ebenfalls exzellenten Schützen Francis Parker (Luis Dávila). Sie verfolgen die Mexikaner und schnappen sich das Geld. Allerdings bringen sie es nicht zurück, sondern deponieren es in Lorings Geheimversteck.
Valiente ist außer sich vor Wut und auch sein Informant, der Saloonbetreiber Braddock (Antonio Gradoli), ärgert sich, doch nicht mehr lange. Loring ist nämlich blöd genug, das Geld – neuartige Zwanziger-Banknoten, die es nur in der Bank von Zwei Pfeile gab – gleich in Braddocks Saloon auszugeben. Der erkennt diese natürlich und beauftragt durch seinen Mittelsmann Slater Valiente damit, Loring umzubringen.
Dieser schnappt sich Loring auch, tötet aber Slater, weil er von Braddock nichts mehr wissen will. Nun macht er sich daran Loring auszuquetschen, wo der das Geld versteckt hat Der aber kann sich mittels eines Tricks und der Hilfe von Parker befreien. Letzterer erzählt ihm nun, dass er ein Bundessheriff ist und damit beauftragt die Raubüberfälle aufzuklären, die seit einiger Zeit in der Gegend stattfinden. Dass Valiente diese begeht, weiß er ja bereits, auch das Braddock ihn jedes Mal informiert, aber Braddock ist nicht der Kopf des Ganzen. Auch er hat einen Informanten, der der Drahtzieher der ganzen Aktionen ist. Aber Loring und Parker haben schon eine Idee.
Loring führt also Braddock zu dem vermeintlichen Versteck und lässt ihn buddeln. Parker holt Valiente, der überfällt Braddock und gräbt weiter, findet aber nichts. Nun machen sich Loring und Parker aus dem Staub, Braddock und Valiente nehmen die Verfolgung auf. Die Armee kommt zur Hilfe und vertreibt die Mexikaner. Es stellt sich heraus, dass deren Captain Young (Frank Braña) der vielgesuchte Drahtzieher ist. Er will fliehen, erschießt vorher Braddock und wird seinerseits von Parker erschossen. Der bringt mit Loring das restliche Geld zurück und will bald dessen Schwester heiraten.
Worte zum Film
coole Darsteller*innen, gute Musik, rasante Inszenierung; ein wenig überdreht, aber sehr spaßig; nicht gerade ernst, aber ernst genug
Bewertung
Er ist schon ein kleines Kuriosum, „Der Tod droben auf dem Hügel“. Allein sein Titel scheint hierzulande ein Politikum darzustellen. So stoßen sich einige andere Rezensenten wohl an dem Wort „droben“. Und das obwohl dieser Name ausnahmsweise mal fast dem Originaltitel entspricht: „La Morte Sull’Alta Collina“, also „Der Tod auf dem hohen Hügel“. Dementsprechend auch die englische Übersetzung „Death On A High Hill“, was aus meiner Sicht ebenfalls cool klingt. Denn ja, ich steh dazu, ich finde „Der Tod droben auf dem Hügel“ ist n richtig fetziger, mal etwas anders klingender Titel für einen Italowestern. Klar darf man sich ob seiner Handlung schon fragen, welcher Hügel damit jetzt eigentlich gemeint sein soll, aber das haben ja die Italiener zu verantworten. Und wenigstens gibt es hier (Almerías) Hügel zu sehen. Ganz im Gegensatz zum zweiten, hierzulande vielleicht noch gängigeren Namen „Die Rechnung zahlt der Bounty-Killer“. Ein Kopfgeldjäger ist nämlich weit und breit nicht zu entdecken.
Aber egal welchen Titel ihr für euch bevorzugt, die viel entscheidendere Frage ist: Wer hat „La Morte Sull’Alta Collina“ eigentlich inszeniert? Denn auch wenn fast das ganze Internet der Meinung ist, Fernando Cerchio wäre es gewesen, behauptet die deutsche Wikipedia unter Bezug auf das „Archivio Del Cinema Italiano“, dass tatsächlich Alfredo Medori diesen Streifen zu verantworten hätte. Der Artikel gibt das auch nicht bloß an, sondern geht im Fließtext konkret darauf ein und behauptet weiterhin, Cerchio wäre in diesem Fall „durch falsche Zuweisung des Pseudonymes“ zu den Regieehren gekommen. Was nun stimmt? Ich weiß es definitiv nicht. Aufklärung im Rahmen eines netten kleinen Featurettes im Rahmen einer anständigen deutschen (und in diesem Fall vielleicht sogar weltweiten) Blu-ray-Erstveröffentlichung wäre hocherwünscht.
Denn ich bin eindeutig ein Fan dieses Vertreters, der sich zugegebenermaßen nicht immer so recht entscheiden kann, ob er nun eine Komödie, vielleicht sogar eine Parodie, oder doch eher ein ernsthafter Genrebeitrag sein möchte. Während das für viele andere Fans ein Hauptkritikpunkt ist, gefällt mir jedoch genau das. Dieses Changieren zwischen Albernheit und Witz auf der einen sowie ernsthaften Einlagen auf der anderen Seite, macht „Der Tod droben auf dem Hügel“ von Beginn an zu einer sehr willkommenen Abwechslung. Wobei es ja auch nicht so ist, dass er nicht eine klare Tendenz hätte: Das Augenzwinkern überwiegt eindeutig und das ist gut so. Allein wie der anfangs große Unbekannte seine Anweisungen an seine mexikanischen Söldner weitergibt, damit diese ihn auch ja verstehen (nämlich per gemalter Bildergeschichte), rechtfertigt das Reinschauen allein schon. Und wie Tano Cimarosa als General Valiente diese dann seinen Leuten „vorliest“, ist ebenso groß. Der fetzt einfach, wie die Charaktere generell sehr sympathisch sind. Dazu kommen ein paar sehr nette Einfälle, die wirklich witzig gemacht sind (wie etwa die Meile Abstand, die Valiente und seine Leute zwischenzeitlich von Protagonist Loring Vandervelt halten sollen). Kurzum: „La Morte Sull’Alta Collina“ macht einfach Laune!
Darüber hinaus darf man inhaltlich natürlich nicht allzu viel erwarten, schließlich handelte es sich hierbei jetzt nicht gerade um ein Prestigeprojekt. Trotzdem ist „Der Tod droben auf dem Hügel“ viel abwechslungsreicher geraten als so manch vermeintlich „großer“ Vertreter. Nur das Drehbuch (laut IMDb) von Lorenzo Gicca Palli, José Mallorquí und Eduardo Manzanos auf Plausibilität zu überprüfen, sollte man selbstredend tunlichst sein lassen. (Spoiler) Sonst fragt man sich nur, wie ehemalige mexikanische Revolutionäre in diese Geschichte kommen, die zeitlich doch eindeutig Jahre vor 1910 spielt. Oder wieso offensichtlich alle Welt weiß, dass Braddock (Antonio Gradoli) sich laufend Geld stehlen lässt, es aber niemanden zu kümmern scheint. Oder wieso Parker (Luis Dávila) am Ende aufgrund eines kleinen Stück Papiers sofort eine ganze Armeeeinheit übernehmen kann. Und mit Sicherheit noch so einiges mehr. Die Rolle von Captain Frank Braña und seinen Soldaten ist sowieso in Gänze ein wenig seltsam. (Spoilerende) Zu einer solchen Überprüfung kommt man aber auch gar nicht, dafür ist das Tempo viel zu hoch.
Handwerklich gibt es sicherlich auch wesentlich bessere Genrebeiträge, aber der Standard, den Fernando Cerchio oder eben doch Alfredo Medori ansetzt, geht total in Ordnung. Bis auf ein paar Faustschläge, die sehr offensichtlich absichtlich daneben gehen, fällt hier nichts großartig negativ auf. Für Julio Ortas Kamera gilt das gleiche. Sehr interessant ist noch Luis Enriquez Bacalovs Musik zu nennen. Für einige wieder sehr unpassend, weil viel zu fröhlich, gefällt sie mir aus genau diesem Grunde sehr gut, weil ich diesen Aspekt an „La Morte Sull’Alta Collina“ eben überwiegen sehe. Allerdings hatte ich die ganze Sichtung über das Gefühl, der argentinische Meister hätte hierfür einfach nur alte Stücke recycelt. Da ich ohne weitere Recherche jedoch nicht zu sagen wüsste, aus welchen Filmen diese ursprünglich stammen würden, lassen wir das einfach mal so im Raum stehen.
Schauspielerisch setzen vor allem Peter Lee Lawrence und Luis Dávila Ausrufungszeichen. Während ich Ersteren in der Regel (wie hier) einfach super sympathisch finde (auch mit Hans-Georg Panczak als Stimme, was schlicht der späten Synchronisation in 1984 zu verdanken ist), überzeugt Letzterer mit der einzigen, eher klassischen Pistolero-Performance (ohne das Augenzwinkern zu vergessen jedoch). Tano Cimarosa overactet hingegen total und ganz entgegen meines sonstigen Gemüts finde ich das hier sehr passend. Ihnen zur Seite stehen mit Antonio Gradoli, Nello Pazzafini, Silvio Bagolini, Jesús Guzmán, Frank Braña und Konsorten viele bekannte Italo-Gesichter, denen man stets gerne bei der Arbeit zusieht. Nur Agnès Spaak habe ich spätestens morgen schon wieder vergessen.
Und so geht es angeblich vielen Fans mit „Der Tod droben auf dem Hügel“. Dieser sei durchschnittlich und bald schon wieder vergessen. Ich kann das überhaupt nicht nachvollziehen; ich find den Streifen ehrlich gesagt einfach geil! Sympathische Kerle in ner abwechslungsreichen, sehr witzigen Geschichte, die ordentlich in Szene gesetzt wurde. Was hätte man sich von diesem Werk mehr erhoffen können? Richtig, gar nichts, schließlich hatte er kein nennenswertes Budget zur Verfügung. Von daher hätte er kaum eine bessere Bewertung einfahren können und falls ihr auch kein Problem damit haben solltet, dass es nicht immer nur bierernst (wenngleich definitiv noch ernst genug), sondern auch mal lustig bis albern zugeht, dann werdet ihr hieran auch eure Freude haben. Ich wünsche es euch! (Und mir bzw. uns wünsche ich endlich oben genannte BD-Veröffentlichung. Dafür wäre ich bereit, viel Geld zu zahlen…)
Zitate
[bei der Aufteilung der Beute möchte General Valiente seine Heiligen berücksichtigen, die er vor jedem neuen Coup anruft; das jedoch lässt Slater nicht gelten] „Die Heiligen gehen zu deinen Lasten.“(Slater hat schon genug Leute auszuzahlen)
[General Valiente erklärt seinen Leuten anhand der Bilder, die sein Auftraggeber gemalt hat, den neuesten Plan desselben] „Hast du kapiert?“ – „Ja, ja, kapiert.“ – „Na dann haben’s die anderen auch kapiert.“(General Valiente weiß um die Fähigkeiten seines besten Mannes Agustine (Jesúz Guzmán))
„Ehrlichkeit wird manchmal belohnt, Unehrlichkeit allerdings immer.“(Parker denkt laut nach)
„Solang‘ wir nicht geteilt haben, bleiben wir doch zusammen, oder?“ – „So ist die Regel.“(Parker hat in seiner neuen Beziehung zu Loring die Hosen an)
„Ein General Valiente gibt sein Wort nur einmal.“(General Valiente ist geizig)
★★★ +++
