Rita Nel West
★★
- Jahr: 1967
- Regie: Ferdinando Baldi
- Darsteller: Rita Pavone, Lucio Dalla, Gordon Mitchell, Fernando Sancho, Terence Hill...
Story
Kurzfassung (offenes Ende)
Big Little Jane (im Original Little Rita (Rita Pavone)) zieht für den Indianerstamm von Sitzender Büffel (Gordon Mitchell) raubend durch den Westen, um alles Gold der USA zusammenzutragen und es anschließend zu vernichten. Als sie sich jedoch in den Cowboy Texas Joe (im Original Black Star (Terence Hill)) verliebt, der es seinerseits nur auf ihr Gold abgesehen hat, wird es kompliziert…
Kurzfassung (komplett)
Da das Gold nur Unheil über die Menschheit bringt, beschließt der Indianerstamm von Häuptling Sitzender Büffel (Gordon Mitchell) es komplett zu vernichten. Zu diesem Zweck schickt er die singende Revolverheldin Big Little Jane (im Original Little Rita (Rita Pavone)) los, die mit ihrem Komplizen Francis Fitzgerald Scott (im Original wohl Francis Fitzgerald Grawz (Lucio Dalla)) mit der Zeit alle Goldvorräte des Westens zusammenklaut, zuletzt die von Django (Enzo Di Natale) und Ringo (Kirk Morris). Dann verliebt sie sich in Texas Joe (im Original Black Star (Terence Hill)), der versucht ihr Gold zu stehlen und dafür mit der Todesstrafe belegt wird. Da er sich zwischenzeitlich aber auch in Big Little Jane verliebt hat, wird er ein neuer Mensch und bereut alles. Die beiden lecken sich ab, sie reitet ohne ihm ein Wort zu sagen weg und er hinterher und Ende oder so.
Worte zum Film
vollkommen albern, banal, mitunter schwachsinnig und komplett unlustig; unsympathische Charaktere, größtenteils gruselige Darsteller; super viele super nervige, jedoch gut inszenierte Musical-Einlagen (Marke Italo-Schlager!); aber nicht wirklich schlechter als vergleichbare „Parodien“
Bewertung
Es ist immer wieder neu erstaunlich, was die Italiener alles in der vergleichsweise kurzen Zeit, in der sie einen Western nach dem anderen rausgehauen haben, alles auf die Beine gestellt haben. Manches davon muss man schlicht gesehen haben, um es glauben zu können. In ganz besonderer Weise trifft das auf „Blaue Bohnen für ein Halleluja“ zu. Wir haben uns ja schon viel gefallen lassen und uns von so manchem bescheuerten deutschen Titel, der mit dem originalen eines Films gar nichts mehr zu tun hatte, nicht abschrecken lassen, aber dieser hier sollte es vielleicht tun. Denn bei dem im italienischen Original „Rita Nel West“ betitelten Kuriosum handelt es sich um eine Möchtegern-Parodie auf den Italowestern (!), die in ein Musical-Korsett gesteckt wurde! Klingt schräg? Es kommt noch schräger. Die Idee hierzu hatte nämlich tatsächlich Ferdinando Baldi, der nach seinem gefeierten, durchaus nicht ganz zahmen „Django der Rächer“ hiermit seine Reise durchs Western-Gerne fortsetzte und ausgerechnet den damaligen Schlagerstar Rita Pavone zur Hauptdarstellerin machte (was zu diesem Zeitpunkt zwar auch keine ganz neue Idee mehr war, aber in einer Pferdeoper hatte sie bis dahin noch nicht mitgewirkt (sowie danach ein Glück auch nicht wieder)).
Rita Pavone sagt euch nichts? Gar kein Thema, das ging mir vorher genauso. Falls ihr euch nicht rein zufällig für den Italo-Schlager der 1960er Jahre interessieren solltet, wäre das auch gar kein Wunder, schließlich hat die kleine Rita mit den kurzen Haaren (ein Glück sag ich an der Stelle nochmal) nur eine Handvoll nennenswerter Filme gemacht (wobei „nennenswert“ in diesem Fall Kinofilme bedeuten soll), von denen zumindest „Blaue Bohnen für ein Halleluja“ an den Kinokassen auch ein Reinfall war. Im Musikbereich war sie eine ganze Zeit lang offensichtlich wesentlich erfolgreicher unterwegs. Warum darf man sich nach dem zweifelhaften Genuss dieses Streifens wirklich fragen, denn ihre quäkige Singstimme geht einem bereits in der ersten Musicalnummer nach rund fünf Minuten auf den Zeiger. Zusätzlich sieht sie einfach noch wie ein Kind aus, in ihrem Fall ob ihres Looks und ihres burschikosen Auftretens eher wie ein Junge. Ein wenig so, wie ich mir den kleinen Otto, Benjamin Blümchens besten Freund, als Cowboy immer vorgestellt habe (gibt doch diese eine Folge, da taucht aus dem Nichts mit einem Male ein Rinderbaron aus Texas im Neustädter Zoo auf, der die beiden nach Amerika einlädt, weil Benjamin als Elefant doch so toll Lassowerfen kann und man möchte meinen, Baldi hätte sich auch diesen Stuss ausgedacht, aber ich schweife ab). Das ist schon mal ein sehr schwer verdaulicher Einstieg, zumal sie und ihr unglaublich nerviger Sidekick Lucio Dalla (Rollenname Francis Fitzgerald Scott!) sich dann auch noch totlachen, wenn der Mann, den er genauso zufällig wie ein Klavier hinten auf seinem Wagen hatte, während ihres Singens und Hopsens einfach abkratzt, weil sie lieber gehopst sind und gesungen haben, anstatt ihm Hilfe zukommen zu lassen. Da schon regelrecht unsympathisch, das Ganze.
Aber immerhin muss man sich um den Realismus-Faktor in diesem Fall wirklich Null Sorgen machen, da „Rita Nel West“ die Comic-Attitüde, die italienische Vertreter in der Regel sowieso an den Tag legen, wirklich auf die absolute Spitze treibt. Weil als Parodie angelegt, ist hier rein gar nichts ernst gemeint. Da schlagen die Indianer, für die Rita das ganze Gold der USA zusammenrauben soll, damit sie es anschließend „vernichten“ können (! – wie gesagt, man muss es gesehen haben, sonst glaubt man es nicht), einen Gong und rauchen Wasserpfeife, während Big Little Jane, wie ihr Charakter im Deutschen heißt, mit goldenen Handgranaten schießt – die typischen Anachronismen eben.
Tatsächlich hat Baldi, der zusammen mit Franco Rossetti auch das Drehbuch hierzu geschrieben hat, aber nicht nur vorgehabt, den Western im Allgemeinen, sondern vor allem auch den Italowestern im Besonderen durch den Kakao zu ziehen. Sicherlich würde er selbst ihr Ergebnis als Parodie bezeichnen, aber ich finde Selbiges mal wieder einfach nur albern. Zumal die beiden die Vorbilder, die sie verarschen wollen, offenbar nur halb oder gar nicht geguckt zu haben scheinen, denn – parodistischer Ansatz hin oder her – das passt doch hinten und vorne nicht zusammen. Schließlich muss die kleine Rita bei ihnen das Gold berühmter Outlaws klauen. Daher werden (in dieser Reihenfolge) Jesse James, Ringo und Django von ihr über den Haufen geballert. Na klar, weil die Revolverhelden und Banditen des Westens natürlich das meiste Gold gehabt haben. Gerade ein Zugräuber wie Jesse James… Diesen überhaupt in diesen Kanon mit aufzunehmen ist sowieso kompletter Schwachsinn, wenn man sich ansonsten auf italienische Outlaws beschränkt. Und selbst dabei haut Baldi uns hier ja die Hucke voll, dass es nicht zum Aushalten ist. Ringo zum Beispiel ist ja, wie wir wissen, eigentlich auch ein amerikanischer Gesetzloser, der seinen Durchbruch schon 1939 feierte und von den Italienern nur für zwei Filme, in denen er auch noch der „Gute“ war (und definitiv kein Gold gestohlen hat), ausgeborgt wurde. Dessen Darsteller Kirk Morris ist aber sowieso eine Karikatur von Joe aus „Für eine Handvoll Dollar“ sowie dessen Nachfolger. Eine Handvoll Dollar, nicht Gold… Warum der dann Ringo genannt wird, wüsste Baldi, wenn er heute noch leben würde, wohl selbst nicht mehr zu beantworten. Und auch, dass Djangos Gold ja im Sumpf versunken ist, scheint er nicht gerafft zu haben… Gerade dieser, der einzige, wirkliche, italienische „Genrestar“ in diesem Machwerk möchte dann jedoch „auf Amerikanisch“ sterben. Ach, und Romano Puppo ist zu allem Überfluss dann auch noch Zorro? Ohne Maske, ohne Verkleidung, ohne Gold und alles? Und Pancho Villa, der Revolutionär aus Mexiko? Lassen wir das, ich denke, ihr habt’s begriffen…
Und trotzdem, eine Sache verstehe ich dabei nicht. Denn dass ich darüber nicht lachen kann und das einfach nur super albern finde, könnt ihr euch, wenn ihr regelmäßig hier reinlest, denken. „Parodien“ sind halt einfach nicht so meins. Wenn man von eben genannten „Schönheitsfehlern“ aber mal absieht, sind Gags wie der, dass Django noch seine Lebensgeschichte erzählen will, bevor er stirbt, der kleine Wildfang, der den Macho-Kerlen mal zeigt, wo’s langgeht, Leute, die irgendwo gegen laufen, weil sie zu blöd zum Gehen sind, oder eben o. g. Anachronismen doch klassisch-zeitlose Blödeleien in solcherlei Filmchen. Da kann man sich dann doch nicht beim einen Mal drüber totlachen und beim nächsten Mal ist das alles Müll, oder was? Wer also auf Streifen wie „Der Schuh des Manitu“, „Der wilde, wilde Westen“, „Lucky Luke“, „Rhapsodie in Blei“ oder wegen mir auch „Austin Powers“ oder „Die nackte Kanone“ oder was es da draußen sonst noch alles für einen Verarsche-Schrott gibt steht, der müsste theoretisch auch „Blaue Bohnen für ein Halleluja“ mögen können. Also nach meiner Theorie zumindest. Tatsächlich aber hat dieser Streifen – zumindest in Deutschland – lange nicht so einen guten Leumund wie die eben genannten. Ich begreife also nicht nur den Witz hinter albernen Parodien nicht, ich begreife ganz offensichtlich auch nicht die Unterschiede zwischen ihnen…
Ich schätze jedoch mal fast, dass es im Falle von „Rita Nel West“ auch eine Rolle spielen dürfte, dass er wie erwähnt nicht nur eine Parodie, sondern eben auch ein Musical ist. Und hier bedeutet das wirklich eine Gesangseinlage nach der anderen. Wenn man – so wie ich – jetzt also nicht unbedingt Andrew-Lloyd-Webber-Dauerkarten-Besitzer ist, fängt einem das sehr schnell an, erheblich auf die Eier zu gehen. Das Verhältnis zwischen Singen und Nichtsingen stimmt wirklich überhaupt nicht. Zumal es einem evtl. ja durchaus helfen könnte, wenn man die Texte verstehen würde, aber so gut ist mein Italienisch nun doch nicht. Klingt von der Sprache her theoretisch dann zwar cool, aber als 60er-Jahre-Italo-Schlager verpackt praktisch doch nicht. Da hilft es dann auch nichts, dass Baldi und sein Team sich beim Choreografieren und Inszenieren der Nummern durchaus sichtliche Mühe gegeben haben.
Das ist übrigens generell so. Der einzige Job, den Ferdinando Baldi hierbei vernünftig ausgeübt hat, ist der des Regisseurs. Wären seine Inhalte nicht so grottenschlecht, würde man sich „Blaue Bohnen für ein Halleluja“ durchaus mal angucken können. Die Locations sind zwar schrecklich, aber in diesem Ausnahmefall war das ja vielleicht sogar absichtlich so gewollt und außerdem wurden diese von Enzo Barboni hinter der Kamera vernünftig eingefangen.
Was beim schlechten Abschneiden von „Rita Nel West“ hierzulande durchaus auch noch eine Rolle spielen dürfte, ist, dass Terence Hills Auftritt hier lange nicht so umfangreich ausfällt, wie von vielen ob der Vermarktung dieses Streifens erst ab 1973 im Zuge der großen Spencer-&-Hill-Welle groß mit ihm auf dem Plakat erhofft worden sein dürfte (woran sich bis heute ob seiner ungebrochenen Popularität nichts geändert hat). Tatsächlich taucht der erst nach einer Stunde auf der Bildfläche auf (mit einer Herde von ganzen vier Kühen!) und hat auch noch einen ganz undankbaren Part abgekriegt. Dieser zweite Teil, ein Liebesteil, ist sowieso super kitschig und schwachsinnig. Da passt Hills nichtssagende, hölzerne Performance sehr gut dazu.
Tatsächlich scheint der bekloppte Inhalt von „Blaue Bohnen für ein Halleluja“ nicht jeden Darsteller von einer guten Leistung abgehalten zu haben. Gordon Mitchell zum Beispiel sieht als Indianerhäuptling natürlich komplett bescheuert aus, aber das soll in diesem Falle ja vielleicht sogar so sein und er war definitiv schon deutlich schlechter unterwegs. Und Fernando Sancho hat sowieso nur seinen Standard-Stiefel runtergespielt. Dafür sind Kirk Morris und Enzo Di Natale – unabhängig von ihren lächerlichen Rollen! – jedoch geradezu lächerlich und Lucio Dalla wie gesagt nur nervig.
Um es kurz zu machen: „Rita Nel West“ ist eine sehr dümmliche, alberne „Parodie“, die die von ihr parodierten Inhalte noch nicht mal wirklich verstanden zu haben scheint. Dass wirklich alle paar Minuten der „Fluss“ der nicht vorhandenen Handlung durch nervige Italo-Schlager-Musical-Nummern unterbrochen wird, macht es nicht besser. Leider können auch gerade die Hauptdarsteller nicht überzeugen, während Ferdinando Baldi, der sich hiermit definitiv nicht mit Ruhm bekleckert hat, immerhin gut inszeniert. Im Vergleich zu anderen, ähnlich angelegten Parodien jedoch ist „Blaue Bohnen für ein Halleluja“ kaum schlechter zu bewerten. Warum also gerade er, der er als einziger der ganzen oben genannten Kandidaten eine Frau in den Mittelpunkt stellt (wenn auch eine mit Quäkstimme und irritierendem Milchbubi-Aussehen), ansonsten oft so viel schlechter abschneidet als diese, das dürft ihr für euch selbst bewerten…
Übrigens: Einmal musste ich während der Ansicht dieses Machwerks, das einen Titel beinhaltet, der irritierenderweise sehr nach Gianfranco Reverberis „Django und die Bande der Gehenkten“-Soundtrack klingt, obwohl dieser doch erst ein Jahr später, weil auch von Baldi gedreht, erschienen ist, dann doch laut Lachen. Als die einfach mal wie 14 aussehende Protagonistin im Saloon fast keinen Alkohol kriegt… ;)
Zitate
„Wo kommst du her?“ – „Von da, wo ich weggegangen bin.“(Ringo hat’s nicht so mit Namen)
„Dein ganzer Mut steckt in einer kugelsicheren Weste.“(Django bemerkt zu spät, dass er gegenüber Big Little Jane auf den falschen Ausrüster gesetzt hat)
[über die Liebe] „Es ist wie eine Kugel, die ins Herz geht und im Kopf landet – und dort explodiert, wenn man sie nicht entfernt.“(Francis Fitzgerald Scott stellt ob fehlender chirurgischer Kenntnisse lediglich fest)
„Das Wichtigste ist immer die Liebe.“(Francis Fitzgerald Scott hat nur ein Thema)
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