Petroleum-Miezen

Les Pétroleuses

★★★

  • Jahr: 1971
  • Regie: Christian-Jaque, (Guy Casaril)
  • Darsteller: Claudia Cardinale, Brigitte Bardot, Michael J. Pollard...

Story

Kurzfassung (offenes Ende)

Die Familienoberhäupter Louise (Brigitte Bardot) und Marie Sarrazin (Claudia Cardinale) geraten über ein Stück Land so dermaßen in Streit, dass ihnen jedes Mittel Recht ist, ihren Willen durchzusetzen…

Kurzfassung (komplett)

Nachdem der zwielichtige Doc Miller (Henri Czarniak) sich die Little-P-Ranch gerade erst unter den Nagel gerissen hat, nehmen ihm Louise, genannt Frenchie King (Brigitte Bardot), und ihre Bande die Besitzurkunde bei einem Eisenbahnraub sofort wieder ab – nichtsahnend, dass dort Erdöl (im Film Petroleum genannt) zu finden ist. Das wiederum finden durch einen Zufall Marie Sarrazin (Claudia Cardinale) und ihre Brüder heraus, die das Stück Land nun ebenfalls haben wollen. Es entbrennt ein Kampf zwischen den beiden Frauen, der schlussendlich dazu führt, dass die Mädels sich verbünden, um von nun an mit ihren Familien gemeinsam auf Raubzug zu gehen.

Worte zum Film

nette Mädels und eine umwerfende Claudia Cardinale; hauchzarte, unlustige und nicht spannende Story; stattdessen Albernheiten, Harmlosigkeiten und nicht zündende Schauwerte

Bewertung

Die 2007er-DVD von e-m-s zu „Petroleum-Miezen“ warb mit dem Slogan „Die Bandidas der 70er!“. Und mal ganz abgesehen von der Tatsache, dass es sogar ein paar kleine inhaltliche Übereinstimmungen gibt, ist das gar nicht mal so weit hergeholt. Schließlich setzt auch Christian-Jaques einzige Pferdeoper auf die schon damals nicht ganz neue Erfolgsformel Sex Sells, indem sie zwei der bestaussehenden Filmdiven ihrer Zeit durch ein Wild-West-Setting schickt. Wundert ja auch nicht. Auf den ersten Blick ist die Idee schließlich richtig gut. Denn sind wir doch mal ganz ehrlich: Der Western ist vornehmlich eine Männerdomäne und welcher Mann wollte und will nicht sehen, wie Brigitte Bardot und Claudia Cardinale gleichzeitig in einem Film zu sehen sind? Vor allem, wenn sie so freizügig herumlaufen und sich so reinhängen wie hier? Auch ich kann und will mich da keinesfalls ausnehmen. Hier wie auch in „Bandidas“ wird das Ganze versucht mit Humor zu würzen und hier wie auch 35 Jahre später scheitert dieser Versuch trotz seiner formidablen (Haupt-)Besetzung kläglich.

Im Fall von „Les Pétroleuses“ hat das mehrere Gründe. An erster Stelle inhaltliche, denn das Drehbuch, an dem mit Guy Casaril, Clement Biddle Wood, Daniel Boulanger, Marie-Ange Aniès und Jean Nemours bezeichnenderweise gleich fünf Leute mitgewirkt haben sollen, kommt bei der Umschreibung „schwach“ noch ziemlich gut weg. Die Story ist hauchdünn und nur der Aufhänger für eine Ansammlung von Einzelszenen, welche leider noch nicht mal spannend oder wenigstens sonstwie unterhaltsam geraten sind. Da ist kein Plan auf keiner der beiden Seiten erkennbar. Tatsächlich ist die Geschichte ganz offensichtlich so nebensächlich, dass im Internet kaum eine richtige Inhaltsangabe zu finden ist. Gefühlt überall werden Dinge weggelassen, verdreht oder schlicht falsch wiedergegeben (sogar in der deutschen Wikipedia ist dies (Stand Oktober 2025) so!). (Und bevor mir das auch passiert ist, will ich mal lieber schnell hinzufügen, dass ich für meinen oben stehenden Versuch keinerlei Gewähr übernehme.)

Dies versucht „Petroleum-Miezen“ dann damit zu kaschieren, dass er ansonsten alles an Schauwerten in den Topf haut, was fünf Leuten eben so einfallen kann: nen Ölfund samt Explosion, ne Weihnachtsfeier, n Radrennen, ne Gesangseinlage, nen Indianer als Butler auf der einen sowie nen Schwarzen auf der anderen Seite und natürlich – wer hätte das gedacht? – nackte Weiber (diesbezüglich aber bitte nicht zu viel erwarten; falls ihr voyeuristisch veranlagt seid, würdet ihr sonst schwer enttäuscht werden). Und n bisschen geschossen und sich gehauen wird natürlich auch noch. Leider zieht das alles so gar nicht, da das alles viel zu harmlos geraten ist. Einzig der Catfight zwischen BB und CC gegen Ende fällt da aus der Reihe – die polieren sich da nämlich ordentlich die Fresse.

Ansonsten aber setzen Christian-Jaque und sein Team – typisch französisch, wenn ihr mich fragt – eher auf Albernheiten. Klar, der Kritiker von Welt mag hierin eine Parodie erkennen, aber am Ende ist es schlicht albern (und nervig!) wie etwa Michael J. Pollards Sheriff spricht und seine Waffen, Pferde und Gefängnisse sucht… Die paar „Witze“ darüberhinaus können einen kaum zum Schmunzeln bringen.

Das ist zu einem Teil jedoch auch Regisseur Christian-Jaque selbst anzulasten. Schließlich hat der mit Streifen wie „Die schwarze Tulpe“ zuvor durchaus bewiesen, dass er es draufhat. „Les Pétroleuses“ aber ist erschreckend platt und vollkommen ohne inszenatorischen Esprit geraten. Sicherlich könnte das daran liegen, dass die IMDb mit Guy Casaril noch einen zweiten, unkreditierten Regisseur aufführt, aber dazu kenne ich die Hintergründe nicht.

Dementsprechend hilft es am Ende auch nichts, dass die Damen hier wirklich ansehnlich sind. Frenchie Kings Bande ist definitiv eine der bestaussehenden Gangs des gesamten Westens! Zwar werde ich – auch entgegen der oben von mir niedergeschriebenen, allgemein vorherrschenden Meinung – nie ganz verstehen, woher diese unglaubliche Anziehungskraft der (sichtlich gealterten, obwohl gerade mal 37 Jahre alten!) Brigitte Bardot herkam (sie hat – obwohl auch sie sich wie gesagt für kaum etwas zu schade ist – eher die Ausstrahlung einer Schaufensterpuppe), aber ihre restliche Truppe ist wirklich Zucker. Und dafür ist Claudia Cardinale mal wieder schlicht unglaublich! Ich mein, wir wissen nicht erst seit heute wie wunderschön sie war, aber sie zeigt es hier noch mal in einer Deutlichkeit… Diese Augen, dieses Lachen und – verzeiht – dieses Dekolleté! Meine Herren! Obwohl Christian-Jaque ihre Schönheit lange nicht so vorteilhaft einsetzt wie beispielsweise Leone oder Visconti spielt sie hier das anbetungswürdigste Familienoberhaupt, das man sich vorstellen kann! Von den Herren der Schöpfung, die hier wirklich keinen anderen Auftrag haben als döspaddelig zu sein, brauchen wir da gar nicht erst anzufangen. Leid tut es einem zwar um Michael J. Pollard, aber er hätte die Rolle vermutlich ja auch nicht anzunehmen brauchen.

Und so stellt sich „Petroleum-Miezen“ dann leider als das heraus, was man von vorneherein so ein wenig erwartet hat: eine platte Klamotte, die wirklich nur mit ihren Hauptdarstellerinnen Kasse machen wollte. Dass ich Claudia Cardinale dabei so viel attraktiver finde als Brigitte Bardot (ich komm aus dem Schwärmen gar nicht mehr raus – is aber auch ne Hammer-Frau gewesen!), ist mein Problem. Die fehlende Story und der nicht vorhandene Humor sollten euch dagegen alle interessieren. Und ein heftiger Catfight ist halt n bisschen wenig für 90 Minuten Film. Nee, nee, für ne Komödie ist „Les Pétroleuses“ zu unlustig, für nen Western bietet er zu wenig Action und generell ist er nicht spannend genug. So doll sellt der Sex dann leider nicht – eben wirklich fast genau wie bei den „Bandidas“…

Übrigens: Von Petroleum kann im Film eigentlich keine Rede sein, da hier ein Erdöl-Vorkommen thematisiert wird. Allerdings wird man wohl aus Synchronisations-Gründen aus französisch „pétrole“, was wohl sowohl Öl als auch Petroleum bedeuten kann (was man nicht verstehen können muss, weil das ja schon zwei unterschiedliche Stoffe sind), im Deutschen Petroleum gemacht haben. Das als meine Theorie dazu, falls sich noch jemand wundern sollte.

Zitate

„Innerhalb der Familie leiht man nicht, man schenkt.“(Marie Sarrazins Tante Amélie (Micheline Presle) wäre auch meine favorisierte Kreditgeberin)

„Du hältst nichts von der Bank?“ – „Ich halt was vom Bett! Das Geld gehört dahin, wo es verdient wird.“(Tante Amélie sollte nicht anfangen, in der Eisenhütte zu arbeiten)

„Mit einer Waffe in der Hand ist es leicht, Befehle zu geben.“(Louise spricht aus Erfahrung)

„Die Frau ist das Hysterium des Mannes.“(auch der Sheriff (Michael J. Pollard) findet mal ein Korn)

★★★

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