Lucky Luke
★★
- Jahr: 1991
- Regie: Terence Hill
- Darsteller: Terence Hill, Ron Carey, Fritz Sperberg, Dominic Barto, Bo Greigh, Dave Thomas, Nancy Morgan, Arsenio Trinidad, Neil Summers...
Story
Kurzfassung (offenes Ende)
In Arizona bauen tüchtige Siedler Ende des 19. Jahrhunderts die Stadt Daisy Town. Schnell wird sie zu einem Ort der Laster und des Verbrechens – bis Lucky Luke (Terence Hill) kommt. Als Sheriff säubert er die Stadt von jeglichem Gesindel und sorgt so für Ruhe und Ordnung. Zu ruhig finden die Siedler und als dann auch noch die Daltons freigelassen werden und in Daisy Town gegen ihn hetzen, schmeißen sie ihn schließlich raus. Zu früh – die Indianer kommen…
Kurzfassung (komplett)
In Arizona bauen tüchtige Siedler Ende des 19. Jahrhunderts die Stadt Daisy Town. Schnell wird sie zu einem Ort der Laster und des Verbrechens – bis Lucky Luke (Terence Hill) kommt. Als Sheriff säubert er die Stadt von jeglichem Gesindel und sorgt so für Ruhe und Ordnung. Zu ruhig finden die Siedler und als dann auch noch die Daltons freigelassen werden und in Daisy Town gegen ihn hetzen, schmeißen sie ihn schließlich raus. Zu früh – die Indianer kommen. Ebenfalls angestachelt von den Daltons sind sie kurz davor Daisy Town dem Erdboden gleich zu machen. Doch dann kehrt Lucky Luke zurück und löst auch dieses Problem. Mit den Indianern und der Armee verhandelt er den Weiterbestand des letzten Friedensabkommens aus und die Daltons schickt er wieder zurück ins Kittchen. Danach muss er aber wirklich weiter, da er laut eigener Aussage nicht lange an einem Ort bleiben kann…
Worte zum Film
(natürlich) unrealistisch, unnachvollziehbar, kindisch, albern, verarschend; selbst für eine Comicverfilmung zu infantil; grausige Darsteller, ganz miese Inszenierung, null Story, nervige Slowmotion; selten unpassender Hauptdarsteller; absolut peinlich für alle Beteiligten; immerhin für Kinder lustig; guter Titelsong
Bewertung
„Das ist ja schlimmer als im Kloster hier bei euch.“ – Und das will was heißen!
Ich habe „Lucky Luke“ in den letzten 15 Jahren tatsächlich zweimal gesehen. Mehr als so manch anderen, guten Film. Darauf bin ich absolut nicht stolz, will zu meiner Ehrenrettung jedoch hinzufügen, dass ich selbst diesen jeweils nicht gucken wollte, sondern jeweils nur zugestimmt habe. Das erste Mal (und das ist mittlerweile tatsächlich ziemlich genau 15 Jahre her) hat mein Bruder mich dazu überredet, weil wir ihn ja „seit Ewigkeiten nicht mehr gesehen“ hätten. Ja, klasse… Und jetzt erfolgte die Sichtung den Kindern zuliebe – für die tut man ja schließlich so ziemlich alles, oder? Und dementsprechend waren immer nur die anderen Schuld, oder? Nun ja, sind wir mal realistisch: Ich hätte jeweils die Möglichkeit gehabt, nein zu sagen oder nicht mitzugucken. Und vor allem: Wieso musste ich Vogel mir damals auch die e-m-s-DVD hierzu kaufen, wo das doch Zeit gehabt hätte bis in alle Ewigkeiten? Schließlich war ich mir dabei schon im Klaren darüber, wie schlecht Terence Hills zweite Regiearbeit ist…
Denn „Lucky Luke“ ist einer von diesen Filmen, bei denen man selbst dann noch enttäuscht wird, wenn man vorher gar nichts erwartet hat. Also tut genau das! Erwartet nichts! Das kann ich euch nur als wirklich gut gemeinten Tipp mitgeben, falls ihr den hier wirklich noch nicht kennen solltet und ihn euch wirklich antun wolltet. Das dürfte die einzige Möglichkeit sein, vielleicht nicht ganz so bitter enttäuscht zu werden. Denn enttäuscht werdet ihr sein, so oder so. Außer… Ja, außer ihr seid noch nicht älter als, sagen wir, zehn Jahre alt (und selbst das könnte zu hoch gegriffen sein). Dann dürft ihr ruhig mit der (vielleicht sogar berechtigten) Hoffnung hier rangehen eine unterhaltsame, kurzweilige Western-Komödie zu sehen, die vielleicht nicht so stark ist wie andere Filme mit (nicht von!) Terence Hill, aber besser als nix. Aber auch nur dann! (Das war nämlich auch der Fehler meines Bruders seinerzeit, der „Lucky Luke“ zuvor das letzte Mal als Steppke von vielleicht sieben, acht oder auch neun Jahren gesehen hatte (in dem Alter haben wir beide den noch ganz nett gefunden) und sich dann schwarz geärgert hat, dass er auf meine natürlich erfolgten Einwände nicht gehört hat.)
Denn wenn die Hills tatsächlich vorhatten mit diesem Machwerk eine andere Zielgruppe als jene anzusprechen, müsste man sie wohl für verrückt erklären. Denn diese Adaption des Kult-Comics ist wirklich so langweilig, unlustig, dämlich und infantil, dass ein erwachsener Mensch das alles nie im Leben unbeschadet überstehen kann. Ein Kind sicherlich. Ein Kind kann vielleicht darüber lachen, dass die Indianer als auch die Solaten in der Eröffnungssequenz sich ganz offensichtlich bei der Zeremonie langweilen und deswegen erstmal anfangen da big-band-mäßig rumzujammen, bevor der weiße Gesandte von der starken indianischen Friedenspfeife aus den Latschen gehauen wird. Bei einem Erwachsenen löst das (normalerweise) allerdings höchstens einen Würgereflex aus, weil er so viel Scheiße gleich in den ersten fünf Minuten nie im Leben erwarten konnte und deswegen auch nicht darauf vorbereitet war (es sei denn er hat vorher entsprechende Reviews gelesen natürlich ;) ). Und wer jetzt gerade keine Rezension zu dem Film verfassen möchte und clever ist, der macht danach sofort seinen Fernseher aus, stellt seine DVD (sofern er sich davon eine gekauft hat) bei irgendeiner der gängigen Internet-Plattformen rein und versucht das Gesehene so schnell wie möglich wieder zu vergessen (am besten dann sofort so was Wunderheilendes wie „C’era Una Volta Il West“ in den Player schmeißen und den Abend auf diese Weise wenigstens noch gut zu Ende bringen). Denn das ist vielleicht das Einzige, wofür man Lori Hill bei ihrem desolaten Drehbuch dankbar sein kann: Sie macht von der ersten Minute an absolut keinen Hehl daraus, dass wir es hier mit kleinkindlichstem Humor unterster Kajüte zu tun haben. Ein winzig kleines, kaum sehbares Dankeschön dafür, aber das war’s dann auch schon.
Ansonsten müsste man ihr ob dieses Scripts sofort das Schreiben verbieten, wenn nicht… Ja, wenn sie nicht sowieso nur bei Produktionen ihres Mannes eine so verantwortungsvolle Aufgabe hätte übernehmen dürfen. Alle anderen haben offenbar sofort erkannt, dass nicht jeder gleich Drehbücher schreiben kann, nur weil er zweimal an nem Filmset rumgesessen hat. Manchmal funktionieren die Mechanismen des Marktes zum Glück. Dass diese leider auf Familienmitglieder großer Stars nicht immer anzuwenden sind, gerade wenn diese an der Produktion beteiligt sind, ist ja aber auch nichts Neues. Deswegen müssen wir da hier und bei „Don Camillo“ („Keiner haut wie Don Camillo“) leider durch…
Also nochmal: Die Form des „Humors“, die Lori Hill für „Lucky Luke“ gewählt hat, hat diesen Namen nicht verdient. Zumal es sowieso keine „echten“ Gags gibt, sondern sie einfach nur versucht, das Westerngenre als solches zu veralbern. Sofern sie dafür, sollte man sie danach fragen, als Ausrede anführen sollte, ja einen Comic verfilmen zu wollen, wäre diese absolut inakzeptabel. Zwar setzt auch das Medium Comic ja eigentlich immer auf Übertreibung (ich würde sogar sagen wollen immer, denn das käme mir logisch vor, aber ich kenne mich in dem Geschäft wirklich absolut nicht aus) und muss man immerhin zugeben, dass einige ihrer so nervigen, albernen Gags auch tatsächlich schon in der Comic-Vorlage enthalten waren (so etwa dieser blöde, alte Opa in seinem doofen Rollstuhl, der sich immer freut, wenn sich die jüngere Generation prügelt und der mindestens in den Zeichentrickfilmen der 1970er schon dabei war), aber mittlerweile kann ich wieder aus eigener Erfahrung sagen, dass die Alben von Morris und Co. trotzdem nicht ganz so infantil waren (nicht, dass ich denen heute noch irgendetwas abverlangen könnte, aber die kann man sich als Erwachsener trotzdem irgendwie leichter mitanschauen).
Lori Hill hingegen überfährt einen (wie gesagt und logischerweise) auch im weiteren Verlauf des Streifens mit strunzdämlichen Charakteren, billigen Kalauern und rotzfrecher, angeblicher Parodie auf dieses Film-Genre, das hier vollständig in den Dreck gezogen wird. So bolzen sich hier etwa ein paar Männer, was dazu führt, dass sie alle auf einem Haufen liegend enden, was der Film mit dem Spruch „und so wurde der American Football erfunden“ kommentiert. Das ist natürlich nichts gegen die ganzen unglaublich schlechten Sprüche von Jolly Jumper, bei dem man sowieso nicht weiß, ob nur Luke ihn hören kann oder alle… Wie schlecht ist etwa der Unterhosendialog, den der Lonesome Cowboy zwischendurch mit seinem Gaul führt? Weiterhin kann Joe Dalton zum Beispiel in die Zukunft schauen und die Hills präsentieren uns dann ein paar Aufnahmen aus dem Amerika des 20. Jahrhunderts, ohne uns den obligatorischen Souvenir Selling Indian Chief und eine Atombombenexplosion zu ersparen… Und wenn du kurz vor Schluss dann denkst, es wäre endlich zu Ende, müssen sich die Daltons und Lucky Luke natürlich noch duellieren. Im Vorfeld dieses Shootouts fliegt eine (grottenschlecht eingesetzte/animierte) Fliege über die Gesichter der vier Brüder bis Averell (Fritz Sperberg) sie am Ende verspeist (ja, man könnte kurz denken, man habe sich verguckt). Das muss ich nicht wirklich noch weiter kommentieren, oder?
Was mich dann aber immer am meisten ärgert, ist die Verarschung der amerikanischen Ureinwohner in solchen Filmen. Man kann Cowboys und Soldaten und Revolverhelden und Priester und Bankdirektoren und was weiß ich nicht noch alles verarschen (und sogar gut, wie Komödien wie „Support Your Local Sheriff“ und „…Gunfighter“ oder auch „Maverick“ (ein paar Jahre später als „Lucky Luke“) gezeigt haben), aber keine Indianer! Ich weiß es nicht, vielleicht weil denen von uns Weißen sowieso schon übel genug mitgespielt wurde, aber die sind für mich in dieser Hinsicht immer quasi schon unantastbar gewesen. Da muss man schon ein ganz besonders Händchen haben, um mich davon zu überzeugen und das hat Lori Hill – Überraschung! – mal so gar nicht gehabt. Daher gibt’s in „Lucky Luke“ dann Indianer, die sich Schmetterlinge als Kriegsbemalung ins Gesicht schmieren, sich gegenseitig als Idioten bezeichnen, weil keiner weiß, ob ein bestimmter Name nun mit einem oder mit zwei Rauchwölkchen „geschrieben“ wird (dieser Rauchzeichen-Scheiß war ja schon in den Comics nicht lustig), und man trifft sich im „Bierzelt“. Da muss man dann echt teilweise abschalten oder sich angeregt über was anderes unterhalten, sonst kann man gar nicht so viel nachessen, wie man kotzen möchte…
Auch darüber, wie schlecht gemacht das alles ist. Die „Rauchzeichen“ wurden beispielsweise grauenhafterweise am Computer erzeugt und zwar so billig, wie selbst ich das mit meinem Filmbaukasten 7.0 für PC und Handy hingekriegt hätte. Ein handwerklicher Offenbarungseid. Ebenso hat man für die Nachtaufnahmen den Sternenhimmel auf diese stümperhafte Art und Weise eingefügt (einmal, wenn Hill in den Himmel guckt, hat man fast das Gefühl, dass die da einfach nur den alten Sternen-Himmel-Bildschirmschoner von Microsoft 95 oder 98 oder was, der damals auf jedem Rechner vorinstalliert war (kennt ihr doch noch, oder?), genommen und eingefügt haben). Da zeigt sich das winzige Budget, das dieser Streifen gehabt haben muss.
Oder halt der schlechte Geschmack von Terence Hill, der diese Optik ob seiner angestrebten Comic-Attitüde evtl. ja auch gewollt haben kann. Schließlich findet er die Fragezeichen, die er ständig über den Köpfen seiner Darsteller schweben lässt, offensichtlich ja auch lustig… Falls ja, beweist er mit dieser Gurke nicht nur diesen (also schlechten Geschmack), sondern auch, dass es eben nicht jeder x-beliebige Schauspieler nach so und so vielen guten Jahren und Leistungen vor der Kamera auch hinter ihr zu etwas bringt. Denn man kann eben nicht einfach alles eins zu eins aus dem Comic in den Realfilm übertragen. Einiges, was im Comic schon nervt (Beispiel: das Ortseingangsschild dreht sich nach dem Vorbeireiten mega schnell), sieht in einer Live Action Adaption einfach nur affig aus… So sind zum Beispiel auch seine viel zu oft und zudem stümperhaft eingesetzten Zeitlupen ein Ausdruck seiner Hilflosigkeit im Regiestuhl. Weiß nicht, wofür die gut sein sollten. Sehen nach nix aus und werden so inflationär eingesetzt, dass sie am Ende auch nichts mehr herausheben oder unterstreichen. Nein, nein, das hier ist regietechnisch eine glatte Sechs für Hill. Wille (und hier noch nicht mal guter) alleine reicht eben nicht; Talent wäre manchmal schon ganz angebracht. Und sicherlich ist Hill nicht der erste Darsteller, der diesen Fehler begeht (man denke da nur mal an Sidney Poitiers Regiekarriere im Allgemeinen, von der so einige sicherlich gar nicht wissen dürften, dass es sie überhaupt gab, oder seinen „Buck And The Preacher“ im Besonderen), aber bei ihm tut es besonders weh, weil man ihn sonst eigentlich so super gern gehabt hat und beim Schauen seiner Schauspielleistungen ja immer noch hat.
Letzteres trifft allerdings (wer hätte es gedacht?) nicht auf diesen Streifen zu, denn hier überzeugt Hill sowohl in als auch außerhalb seines Regiestuhles nicht. Und das liegt nicht einmal allein daran, dass er sich aufgrund der billigen Witze und Verarschungen selbstredend völlig zum Horst macht. Nein, er ist in der Rolle des „Lucky Luke“ natürlich auch völlig unglaubwürdig. Schließlich hat er es noch nicht mal nötig gehabt sich wenigstens hierfür mal die Haare schwarz färben und sich in diese die weltberühmte Tolle „einbauen“ zu lassen. Außerdem war er hier ja schon sichtlich gealtert, während ein Comicheld wie Luke nun einmal nicht altern kann. Zudem spielt er Luke nicht, sondern macht das, was er immer macht. Frei nach dem Motto: Wo Terence Hill draufsteht, ist auch Terence Hill drin – samt seines schelmischen Blickes und den Bohnen. Nur leider geht er einem mit seinem dämlichen Gegrinse in diesem Fall nur auf die Eier. Ich weiß es nicht, aber wo kein richtiger Regisseur war, der ihm sagen konnte, was er zu tun hatte, war das wohl auch zum Scheitern verurteilt. All das führt seine Figur hier aber wie gesagt ad absurdum. Man fühlt sich mit so einem „Lucky Luke“ im Sattel völlig verarscht und möchte sein Geld zurück (das wäre bei diesem Streifen sowieso mal ne vernünftige Idee!). Daher kann Girotti hier noch nicht mal von seinem Terence-Hill-Gut-Find-Bonus zehren. Und das sagt ehrlich gesagt alles…
Wie ihr es euch denken könnt, darf man von den anderen Darstellern gar nichts erwarten. Denn so schlecht Hill auch ist: Er ist sogar noch der Beste dieses unterirdischen Casts, der sich ansonsten aus so Akteuren zusammensetzt wie Nancy Morgan, von der man nicht umsonst noch nie etwas gehört hat, Dave Thomas, von dem man, weil er zwar ein echter Native American, sonst aber nirgendwo in Erscheinung getreten zu sein scheint, noch nie etwas gehört haben kann (das gilt entsprechend für alle Indianer-Darsteller hier) und als die „Daltons“ Ron Carey, Dominic Barto, Bo Greigh und Fritz Sperberg, von denen man absolut noch nichts gehört haben muss. Könnte man zwar, weil Dominic Barto zum Beispiel ja früher schon Italos gespielt hat und auch Bo Greigh – allerdings eher hiernach – recht einschlägige Genreerfahrung gesammelt hat, aber das ist ja auch schon wieder bezeichnend genug, oder? Dass die beiden unwichtigsten Daltons die meisten Western-Beteiligungen vorzuweisen haben? Denn Ron Carey, der „oberfiese“ Joe Dalton hier, hat vorher ja eher ähnlichen Blödsinn wie „Lucky Luke“ gespielt, etwa für meinen ganz speziellen Freund Mel Brooks… Sie alle jedenfalls und auch die weiteren Schauspieler hier (wie zum Beispiel der natürlich auch unerlässliche Quoten-Asiate Arsenio Trinidad) legen einen ziemlich schwachen Auftritt hin (mit Ausnahme von Neil Summers vielleicht), den sie alle eigentlich so schnell wie möglich wieder vergessen wollen müssten. Aber nun ja, Schauspieler genießen das Overacting ja oft… Da hat Hills Budget wohl für nicht mehr gereicht, zumal er offensichtlich nur Amerikaner haben wollte.
Wohl aber war offensichtlich noch Geld vorhanden, um sich entsprechende Rechte zur Verwendung von Morricones grandiosem „La Reisa Dei Conti“-Score zu sichern. Was hat der Maestro nur verbrochen, dass seine Musik von Hill und Co. so verschandelt wird? Schließlich ist sie für einen ernsten Western geschrieben worden und passt dementsprechend nicht zu einer Verarsche (beziehungsweise gerade das soll ja lustig sein, aber ich kann darüber nicht lachen). Da könnte ich richtig an die Decke gehen (für die Verwendung von „She Wore A Yellow Ribbon“ gilt das gleiche). Und ansonsten hat man hier mit David Grover und Aaron Schröder auch keine Juwelen an die Musik gelassen… Das bisschen, was sie dann doch noch selbst geschrieben haben, ist eines Westerns unwürdig (ich sach nur „put your pistol back in your holster, partner, back where it belongs…“; gruselig!). Nur ihr Titellied, welches von Roger Miller toll interpretiert wird, ist klasse geworden. Das macht Laune, wenn es auch nicht zum Rest von „Lucky Luke“ passen will. Aber wen wundert das bei diesem Murks schon?
Aber was soll man auch von einem Film erwarten, in dem regelmäßig minutenlang wirklich gar nichts passiert (bei einer Laufzeit von gerade einmal gut 90 Minuten) und der sich am Ende selbst des Blödsinns entlarvt? (Spoiler) Denn wenn Lucky Luke schlussendlich sagt, dass er nie lange an einem Ort bleiben kann, heißt das ja, dass er sich dieser Tatsache auch schon bewusst gewesen sein muss, als er das Sheriffsamt angenommen hat. Nun ist Sheriff aber kein Beruf, den man mal so zwei Monate ausübt (zumindest sollte er das nicht sein), sondern eine Lebensaufgabe, denn wenn Luke die Stadt in vielleicht zwei Monaten säubert und dann weg geht, ist die Kacke ja gleich wieder am dampfen. Das bedeutet also, dass Luke auf ein Ereignis wie den Indianer-Überfall, der sich natürlich selten dämlich aufklärt, gewartet haben muss; also eine Situation, aus der er die Einwohner retten und dann weiterziehen kann. Find ich völlig bescheuert. Auch, warum die Daltons bei eben diesem Überfall auf Seiten der Ureinwohner agieren, obwohl sie vorher das typische Ich-spiel-die-Indianer-gegen-die-Siedler-aus-Spiel gespielt haben, muss ich nicht verstehen… (Spoilerende) Da kann man echt nur das arme Pferd bemitleiden, das diese Stunts hier vollführen musste, schließlich war es der einzige Darsteller, der nicht freiwillig dabei war. Und freiwillig hätte es wohl auch nicht mitgemacht (zumindest wenn es bei klarem Menschenverstand gewesen wäre)…
Und wenn ich bei klarem Menschenverstand gewesen wäre, hätte ich selbstredend damals wie heute Nein zu diesem Streifen sagen müssen. Dann hätte ich mich vor dem Fernseher und beim Verfassen dieses Reviews nicht so aufregen müssen… Wobei, aufgeschoben, ne? Von daher fassen wir mal zusammen: Die Darsteller dieses Machwerks müssen alle wohl ganz kräftig Kohle gebraucht haben, dass sie hier mitgespielt haben, Hill ist so schlecht wie nirgendwo sonst und obendrein völlig unglaubwürdig in seiner Rolle, die Musik ist größtenteils geklaut, das Drehbuch eine einzige, große Frechheit und der Look des Streifens maximal dilettantisch zu nennen. Hier macht nichts, aber auch nichts den Eindruck, als ob da jemand dahinterstand, der sein Handwerk verstand. Ein Glück, dass wir hier in Deutschland wenigstens noch Thomas Danneberg als Hill lauschen können. Das entschädigt zwar für gar nix, ist aber besser als noch ein Stümper mehr. Kurzum: Dieses Werk ist einfach peinlich für alle Beteiligten und am meisten natürlich für Hill selbst. Zudem ist es natürlich weder lustig noch wird es der Comic-Vorlage in irgendeiner Art und Weise gerecht.
All das sind in der Summe für mich zwei Sterne. Aber wenn mich ein Film dermaßen auf die Palme bringt wie „Lucky Luke“, wenn ich ihn so persönlich nehme, muss ich zusätzlich noch einen Stern abziehen (s. meine Erläuterungen). Hab ich nach der oben genannten Sichtung mit meinem Bruder auch gemacht vor 15 Jahren. Gar keine Frage. Beim aktuellen Durchlauf hat sich für mich dann jedoch doch noch ein Pluspunkt ergeben: Wie damals mir und meinem Bruder, als wir noch jünger waren, hat der Streifen meinen Kindern richtig gut gefallen. Ja, die sind gerade total auf nem „Lucky Luke“-Trip und haben sich den Film daher gewünscht. Und sie haben dabei gelacht und jede Menge Spaß gehabt! Ich konnte es gar nicht nachvollziehen, bis ich mir meine Notizen von vor 15 Jahren vorgenommen habe und mir klar wurde, dass es mir früher ähnlich ging. Das ändert natürlich nichts an der Tatsache, dass „Lucky Luke“ ein grottenschlechter Film ist, aber es zeigt doch, dass er zumindest die oben angesprochene, hoffentlich anvisierte Zielgruppe erreicht. Und wenn ein Streifen zumindest für leuchtende Kinderaugen sorgt, dann muss man ihm das einfach positiv anrechnen. Dann fühle ich mich auch schon fast gar nicht mehr persönlich von ihm angegriffen. Und daher hab ich „Lucky Luke“ den zweiten Stern wieder „zurückgegeben“.
So, und weil das jetzt aber wirklich hierzu reichen soll, weil ich auch keine Lust habe mich heute noch weiter aufzuregen (habe ich eh schon genug gemacht), weil ich sowieso schon wieder viel mehr geschrieben habe, als ich eigentlich wollte, und weil dieser Film es eigentlich gar nicht verdient, dass man sich überhaupt mit ihm beschäftigt, höre ich jetzt auch auf und wünsche all denen, die diesen Streifen jetzt echt noch sehen wollen, beste Unterhaltung (mal sehen, ob’s klappt). „Wir treffen uns dann im Bierzelt“, würde ich sagen, wo wir uns solange volllaufen lassen, bis wir diesen Film vollständig vergessen haben (auf Deutsch (Achtung: Wortspiel): wir saufen bis zum Filmriss)…
Anmerkung: Immerhin ist es bei so viel Blödsinn und Albernheiten unmöglich zu erraten, ob es Absicht war, dass in einer sehr frühen Szene die sehr moderne Armbanduhr des einen Schützen in einer Einstellung eindeutig zu erkennen ist oder nicht.
Zitate
„Die Pferde der Daltonbrüder haben konditionierte Reflexe. Sobald meine Kollegen eine Bank sehen, schwenken sie herum und bleiben davor stehen.“(Jolly Jumper plaudert aus dem Nähkästchen (an der Qualität dieses Kalauers erkennt man die selbige des gesamten Streifens ziemlich gut…))
„Das ist ja schlimmer als im Kloster hier bei euch.“(ein Bandit, der von Lucky Luke gerade dingfest gemacht wurde, ist schon reichlich rumgekommen)
★★
