Die Troublemaker

Botte Di Natale

★★★ -

  • Jahr: 1994
  • Regie: Terence Hill
  • Darsteller: Terence Hill, Bud Spencer, Boots Southerland, Anne Kasprik, Eva Hassmann, Ron Carey, Fritz Sperberg, Neil Summers, Ruth Buzzi...

Story

Kurzfassung (offenes Ende)

Maw (Ruth Buzzi) hätte ihre beiden ungleichen Söhne Travis (Terence Hill) und Moses (Bud Spencer) am Weihnachtsabend gerne um sich. Daher überzeugt Travis Moses mit einem Trick davon, dass sie unbedingt den Ganoven Sam Stone (Boots Southerland) fangen müssen, um sich das auf ihn ausgesetzte Kopfgeld zu sichern. Und wie der Zufall es so will, endet die Kopfjagd genau in Maws Wohnzimmer…

Kurzfassung (komplett)

Maw (Ruth Buzzi) hätte ihre beiden ungleichen Söhne Travis (Terence Hill) und Moses (Bud Spencer) am Weihnachtsabend gerne um sich. Daher überzeugt Travis Moses mit einem Trick davon, dass sie unbedingt den Ganoven Sam Stone (Boots Southerland) fangen müssen, um sich das auf ihn ausgesetzte Kopfgeld zu sichern. Und wie der Zufall es so will, endet die Kopfjagd genau in Maws Wohnzimmer. Hier gibt’s ein letztes Mal ordentlich was auf die Mütze, woraufhin sich die Familie wieder halbwegs zusammenrottet.

Worte zum Film

albern, kindisch, unlustig, langweilig; schrecklich überhebliche Regie und schwache Darsteller*innen; ein Familienwestern, den keiner sehen will; Hills „Lucky Luke“ 2.0

Bewertung

Wenn geliebte Darsteller*innen Jahrzehnte später wieder in die Rollen schlüpfen, die sie ursprünglich mal groß gemacht haben, ist das immer so eine Sache. Kann gutgehen (wobei mir dafür gerade kein Beispiel einfallen will, was eigentlich schon Aussage genug ist), in der Regel geht das aber nach hinten los. Man denke da nur an den schrecklichen „Winnetous Rückkehr“… Und selbst ein Clint Eastwood sollte sich meiner Meinung nach mittlerweile überlegen, ob er sich selbst weiterhin als den großen, wortkargen, starken Mann inszenieren muss („The Mule“ war diesbezüglich schon kaum noch glaubhaft, aber mit „Cry Macho“ hat er dann den Vogel abgeschossen). Was Bud Spencer und Terence Hill angeht, kam bei dem 1994 erschienenen „Die Troublemaker“ zum fortgeschrittenen Alter der beiden Altstars noch ein großes Problem hinzu: Hills Hybris, die ihn offensichtlich glauben ließ, ein ebenso guter Regisseur wie Schauspieler zu sein. Dass er das eindeutig nicht war, bewies er drei Jahre zuvor mit seinem desaströsen „Lucky Luke“ „eindrucksvoll“ (vor seinem „Don Camillo“-Remake habe ich weiterhin Angst und es deswegen weiterhin nicht gesehen).

Daher ging mir während der ersten Hälfte von „Die Troublemaker“ nur ein Gedanke durch den Kopf: „Bitte nicht nochmal!“. Denn was zu befürchten stand, ist leider eingetreten. Hill hat die Monate dazwischen nicht etwa genutzt, um eine Regieschule zu besuchen, sondern er inszeniert auch seinen dritten Streifen genau wie den zuvor: ganz, ganz schwach. Da stimmt kein Timing, da sitzt keine Einstellung, keine Szene so richtig, beeindrucken kann einen da mal gar nichts und seine Schauspieler*innen durften offensichtlich machen, was sie wollten.

Leider hört es bei diesen Gemeinsamkeiten aber nicht auf, da Hill mal wieder seine Familie mitanstellen musste. Statt seiner Frau Lori steuerte hierfür sein Sohn Jess das Drehbuch bei. Der Fairness halber sollte man jedoch erwähnen, dass auch Spencers Sohn Giuseppe Pedersoli einen Job als Produzent abbekommen hat. Darüber hinaus sind auch die Darsteller Ron Carey (vormals Joe Dalton, hier der Sheriff), Fritz Sperberg (vormals Averell Dalton, hier der Deputy) und – natürlich – Neil Summers (vormals ein Großmaul, hier ein Großmaul) erhalten geblieben. Tatsächlich hatte wohl selbst Boots Southerland in „Lucky Luke“ bereits einen Gastauftritt… Und selbst das Pferd, das Hill reitet, schien mir das gleiche zu sein!

Wie ihr euch denken könnt, ist aber selbst an dieser Stelle noch nicht Schluss mit den Überschneidungen. Schließlich hat Lori Hill ihr, ähm, „Schreibtalent“ dem Sohnemann ganz offensichtlich vererbt. Auch Jess Hill setzt bei seiner „Geschichte“ um zwei ungleiche Brüder, die am Weihnachtsabend gefälligst zusammen bei Muttern unterm Baum zu sitzen haben, auf Albernheiten, kindlich-harmlosen Klamauk und ganz viele leere Luft. Das ist wirklich hinten und vorne nicht lustig (da wird z. B. jemand wegen u. a. Falschparkens gehängt), die Running Gags sind unfassbar hohl (u. a. ein Schachbrett, auf dem Spencer und Hills Protagonisten regelmäßig die Spielfiguren umstoßen, woraufhin Carey und Sperberg ihre Partie neu beginnen müssen) und den paar „Prügeleien“, die er eingebaut hat, merkt man jederzeit an, dass er sie reinschreiben musste. So gibt es für die finale Keilerei in Mutters Wohnstube dann auch einfach gar keine Begründung mehr. Die Posse kommt rein und wie bei den Hooligans nach dem Spiel haut man sich einfach vollkommen grundlos und ohne Ankündigung die Fressen ein.

Bzw. schubst man sich ein wenig durch die Gegend. Denn die FSK-6-Einstufung wollten Hill und sein Team ganz offensichtlich unbedingt. Man wollte einen richtigen Familienwestern machen. Hat schon seinen Grund, warum das Ganze zur Weihnachtszeit spielt. Daher sollten wohl auch ganz viele Kinder enthalten sein. Hat man geschafft. Und mit denen dann versucht, noch n bisschen „Kevin allein zu Haus“ mit unterzubringen. Hat schon seinen Grund, warum das Ganze zur Weihnachtszeit spielt. Daher läuft unter dieser Schlägerei dann auch n Weihnachtssong mit nem heftigen Beat – könnt ihr euch vorstellen, wie grausam das ist? Äh, ich meinte natürlich unter dieser Schubserei. Wieso hat denen eigentlich keiner gesagt, dass „Kevin allein in New York“ seine FSK 6 bekommen hat, obwohl er mit seinen Ganoven wirklich heftig ins Gericht geht?

Ansonsten verlässt Jess Hill sich auf die alte Brüder-Fehde, die sich Enzo Barboni für sein Trinity-Gespann seinerzeit ausdachte. Nur dass er eben so gar nicht verstanden hat, wie der Altmeister daraus Witz und vor allem Storyimpulse gezogen hat. Hier wirkt das kindische Verhalten von Travis und Moses eher wie ein „muss ja so sein“. Nein, muss es nicht, verdammt noch mal! Was ist das z. B. für ne selten dämliche Idee mit der Knarre in der Tasche bei der Geldübergabe? Da möchte man ja schreien vor lauter Blödheit! Außerdem geht das Verhalten der von Ruth Buzzi gespielten Maw hier gar nicht! Wo Jessica Dublins Mutter in „Vier Fäuste für ein Halleluja“ etwa stets auch ihre Liebe für Bambino durchblicken ließ, ist Maw Moses gegenüber ja geradezu fies. Was für eine böse Mutterfigur für einen Familienwestern…

Auch wenn man sich ihre schauspielerischen Leistungen anguckt, haben sich Spencer und Hill hiermit keinen Gefallen getan. Natürlich versuchen sie, ihr altes Pensum nochmal runterzuspulen, aber selbst das misslingt. Hill, der genauso aussieht und auch wieder so agiert wie in „Lucky Luke“, hat nichts mehr von der Verschmitztheit alter Tage und Spencer zieht eine dämliche Grimasse nach der anderen. Vor allem aber ärgern einen ihre Prügelszenen. Ich mein klar, die beiden sind halt ein ganzes Ende älter gewesen als zu ihren besten Tagen. Hill war damals 65, Bud Spencer sogar noch mal 10 Jahre älter. Dass die Aktionen und Reaktionen da nicht mehr in der gleichen Geschwindigkeit ausgeführt werden konnten wie noch zwanzig Jahre zuvor, überrascht natürlich niemanden, aber einfach akzeptieren oder gar gut finden muss man das deswegen noch lange nicht.

Der Rest des Casts ist leider ebenfalls zum Vergessen. Boots Southerland etwa wird Niemandem in Erinnerung bleiben und das, obwohl er es hier fast noch am besten macht. Ron Carey und Fritz Sperberg nerven genauso wie in „Lucky Luke“ und Ruth Buzzi hat natürlich gar keine Chance gegen ihre schreckliche Rolle anzuspielen. Da ein Produzent dieses Schunds leider auch Horst Wendlandts Sohn Matthias war (weswegen Papas Name auch groß vor dem Filmtitel prangt), waren natürlich auch deutsche Schauspielerinnen mit dabei. In diesem Falle Anne Kasprik und Eva Hassmann. Während Erstere dabei gar nicht so recht zu wissen scheint, was ihre Rolle denn überhaupt sein soll, und daher meistens einfach nur grinst, hinterlässt Letztere zwar den besseren Eindruck, hat aber quasi gar keinen Text und soll wohl nur hübsch aussehen… Von dieser Generalkritik ausgenommen sind ausdrücklich die Jungdarsteller*innen um Jonathan Tucker – die konnten ja nun mal gar nichts dafür.

Und so reiht sich „Die Troublemaker“ wie gesagt mühelos in die Reihe der peinlichen Filme ein, in denen ehemalige Haudegen versuchen, mit ihren alten Paraderollen noch einmal Kasse zu machen. Da es hierzu keine Fortsetzung gibt, scheint das ja nicht sonderlich geklappt zu haben – ein Glück! Und da es ja so viele gute bis wenigstens guckbare Streifen mit Bud Spencer und Terence Hill gibt, rate ich euch, lieber diese noch einmal, als den hier überhaupt zu konsumieren. Ist besser für euer Gehirn, glaubt mir. Wenn zu alte Männer Sachen machen, die sie immer schon gemacht haben, aber viel langsamer und unlustiger, muss man sich das nicht antun. Dazu kommen Hills regietechnische Unfähigkeit, die Frechheit von Script seines Sohnes Jess und ein Haufen weitere/r Darsteller*innen, die einen nicht überzeugen können. Da können die mitunter netten Locations auch nichts mehr retten. Demzufolge stimmt immerhin der Titel: Diese zwei Trinity-Abziehbilder verursachen Trouble – aber eben leider nur beim Zuschauer…

Zitate

[Moses kann es mal wieder nicht abwarten, bis es was zu essen gibt] „Geduld ist eine Tugend, sprach der Herr.“ – „Aus diesem Grund haben die in der Bibel auch alle Kohldampf im Hemd!“(Moses hat in der heiligen Schrift auch zwischen den Zeilen gelesen)

„Denk nicht in meiner Gegenwart!“(Moses hat die gleiche Einstellung wie viele Trump-Wähler*innen)

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