„The Philip Diedesheimer Story“
Keine Ahnung, wie ich davon ausgehen konnte, dass es nach einer wirklich guten Episode bei „Bonanza“ gleich mit der nächsten solchen weitergehen würde, aber Fakt ist: Leider und eigentlich logischerweise kann Folge 8 das hohe Niveau von Folge 7 nicht halten. Zwar ist sie auch kein Totalausfall, aber mit „Die Deidesheimer Story“ präsentiert sich uns eine recht zähe, nur mäßig interessante, vorhersehbare 08/15-Geschichte, von der ich am Ende doch froh bin, dass sie es nicht auf die ganz große Leinwand zu 90 Minuten geschafft hat.
Allerdings schickt auch sie sich an, uns nach „The Julia Bulette Story“ die nächste Geschichtsstunde zu erteilen und uns die nächste, nicht ganz unwichtige Persönlichkeit vorzustellen, die bei der Eroberung des Westens einen kleinen Anteil hatte und von der zumindest ich vorher noch nie etwas gehört hatte. Diese mal wieder wahre Geschehnisse mit Fiktion vermischende Geschichte dreht sich dabei um Philip Deidesheimer. Na, seid ihr schlauer als ich? Falls nicht, fänd ich das jetzt nicht so schlimm. Von ihm, dem Erfinder eines seinerzeit offensichtlich revolutionären Ausschachtungssystems, muss man vielleicht nicht unbedingt gehört haben. Denn sicherlich hat er damit vielen Leuten das Leben gerettet und man darf ihn dafür auch absolut feiern, aber als gewöhnlicher deutscher Angestellter hat man mit Minenschächten in der Regel ja eher weniger Berührungspunkte. Und unabhängig davon, ob seine Erfindung gut war oder nicht und ob man vorher etwas davon gehört hatte oder nicht, ist es ja nun mal leider so, dass sich aus dieser Weiterentwicklung des damals gängigen Systems nie im Leben eine spannende Westerngeschichte basteln lässt, oder?
Doch, das geht, dachten sich die Autoren und haben damit auch nicht komplett Unrecht. „The Philip Diedesheimer Story“ kann man sich schon mal angucken, muss dann aber natürlich wieder damit leben, dass hier nur Klischee-Figuren aufgefahren werden: Die lieben guten Cartwright-Jungs und ein unglaublich lieber und auch noch schlagkräftiger Ingenieur auf der einen Seite und die bösen, bösen Minenbesitzer, von denen niemand auch nur ein einziges Mal an das Wohl seiner Arbeiter denkt, auf der anderen Seite. Dazwischen natürlich die Arbeiter, von denen selbst mit cartwrightscher Unterstützung niemand aufbegehren möchte, die gar so sehr um ihren Job bangen, dass sie den lieben, guten Ingenieur sogar an der Arbeit hindern – mit einer glorreichen Ausnahme natürlich, die völlig überraschend fix das Zeitliche segnen muss. Dazu kommt, dass die Geschichte, von dem der gutes Neues bringen will, aber nicht darf, weil er zu teuer, zu ungewöhnlich oder sonstwas ist, bereits damals einen unglaublichen Bart hatte. Von daher kann einen das Geschehen auf dem Bildschirm definitiv nicht überraschen und aus diesem Grund mitunter auch langweilig werden, wenn wir uns in den immer gleichen Szenen von Leuten ergehen, die aus dem Schacht geholt werden sollen und von denen am Ende nur die Hälfte wiederkommen und von Leuten, die darüber diskutieren, dass eine Änderung herbeigeführt werden müsse, die man unter der Folge dann sogar zur Hand hätte und die nullkommanull dazu bereit sind, zu verhandeln. Da ist dann auch eigentlich nichts, dass diese Vorhersehbarkeit durchbricht, sodass es schlussendlich zum Showdown kommen muss, der dann auch völlig erwartet ausgeht ((Spoiler) nämlich mit den Einlenken des erstgezeigten Minenverwalters (Spoilerende)).
Dass diese Folge auch noch komplett im Studio gedreht wurde und die „Mine“ daher geradezu lächerlich daherkommt, hilft jetzt auch nicht unbedingt. Dazu hat man sich dann auch großartige Effekte gespart (die Sprengungen sind ziemlich schwach auf der Brust) und nur zwei der Hauptdarsteller, Hoss und (ein Glück) Adam eingebunden – muss gefühlt selbst für damalige Verhältnisse eine billige Folge gewesen sein.
Auf der anderen Seite haben wir von „Bonanza“ auch schon deutlich schlechtere Episoden gesehen. Denn so vorhersehbar das Ganze auch sein mag, so routiniert ist es immerhin umgesetzt. Kann man sich also einmal mitangucken. Zumal man wie gesagt wieder jemanden kennenlernt, der sonst weiterhin an einem vorbeigegangen wäre. Dass der/die Drehbuchautor/en aus dem eigentlich deutschen Ingenieur Deidesheimer hier jedoch einen Niederländer mit dem Namen Diedesheimer gemacht haben, das ist schon ein starkes Stück – das ist ja Geschichtsverdrehung! ;)
(★★★)
