„The Saga Of Annie O’Toole“
So und nach der bislang absolut schlechtesten Episode folgt nun mit „Annie steht ihren Mann“ erstaunlicherweise die mit Abstand beste Folge der Serie bisher, die wirklich von vorne bis hinten zu überzeugen weiß.
Das geht schon allein mit der Prä-Vorspanns-Szene los, die allein dadurch sehr interessant wird, dass sie nicht im Ponderosa-Gebiet, sondern in einer Küche in der Nähe von San Francisco spielt. Wir haben hier also erstmal gar keine Ahnung und müssen uns komplett neu orientieren. Sogleich lernen wir Annie, die Protagonistin der Folge, kennen und sind schon ziemlich erstaunt: Ein absolut taffes Weibsbild, stets mit ihrer Bratpfanne und einem guten Spruch bewaffnet, begegnet uns da und hat ihre zwei Männer, ihren Vater und ihren Macker, um es mal etwas salopp zu formulieren (denn die Begriffe „Freund“ oder „Lebensgefährte“ finde ich für diese Liaison nicht gerade passend), bestens im Griff. Diese „Liebesbeziehung“ zwischen ihr und ihrem schwedischen Helden (gespielt von Alan Hale Jr.) ist natürlich schon etwas seltsam und wäre für die große Leinwand damals daher wohl auch nicht so passend gewesen, aber in der Serie hier konnte man sich ja austoben. Und so zanken und vertragen sich die beiden hier, führen quasi eine platonische Sadomaso-Beziehung und es ist eine Wonne, ihnen dabei zuzusehen.
Schnell wird einem dabei auch klar, was das größte Erfolgsgeheimnis dieser Folge ist: Der Humor. Dass das hier alles nicht halb so ernst gemeint ist wie beispielsweise in „The Paiute War“, erkennt man sofort, und ich persönlich finde diese Herangehensweise, die sich ja leider in viel zu wenigen Bonanza-Folgen findet, extrem klasse. Denn obwohl jeweils versucht wird durch Hoss‘ Appetits-Flachwitze und ähnliches Humor in die Serie zu tragen, gelingt dies ansonsten nur sehr bedingt (vor allem, weil es dann eben totale Standard-/Flachwitze sind). Hier allerdings, wo man endlich mal Fünfe gerade sein lässt (was gerade bei solch steifen Hauptcharakteren wie den Cartwrights mal ungeheuer notwendig war), funktioniert das Ganze mit mal prächtig und ich habe mich großartig unterhalten gefühlt. Dass das Alles dann natürlich aber auf Kosten des Realismus geht, ist klar (Frau mit totem Vater kommt im Minengebiet an und begräbt ihren Vater auf einem der Claims, die ihr Verlobter abgesteckt hat, ohne zu wissen, welchen er denn nun wirklich ihr geschenkt hatte und eröffnet eine Bergarbeiter-Kantine, mit der sie reich wird und hat daran so lange ihre Freude, bis ein schmieriger Geschäftsmann aus Frisco nachkommt, der ihrem Verlobten die zweite Mine abgenommen hat, die sich blöderweise auch noch als diejenige herausstellt, die sie unwissentlich besetzt hat, sodass sie nun gezwungen ist, mit etwas unlauteren Mitteln dafür zu sorgen, dass der Grund und Boden ihrer bleibt, um ihren Vater nicht umbeerdigen zu müssen), aber den darf man in den restlichen Episoden ja auch durchaus anzweifeln.
Und so hat man diese Annie, die ja nun absolut kein Kind von Traurigkeit ist und nicht jede Vorschrift so ganz genau nimmt, total schnell in sein Herz geschlossen und darf sich daran erfreuen, wie sie es tatsächlich schafft, die Cartwrights dazu anzustacheln, von ihr begangenes Unrecht zu vertuschen und zu verteidigen. Ja, man höre und staune. Zwar hat sie moralisch jede Rechtfertigung dieser Welt auf ihrer Seite, aber rein rechtlich betrachtet gehört ihr ihre Mine nicht und sie hätte das Feld räumen und ihren Vater umbestatten lassen müssen (also sofort). Und da die Ponderosa-Cowboys ja sonst so unglaublich auf das Gesetz pochen, Moral hin oder her, war ich schon ein wenig erstaunt, dass das mit einem Male funktioniert, aber klar, Frauen vermögen sowas natürlich. Sicherlich biegt Adam, der hier aufgrund seiner Funktion als Partner der ungewöhnlichen Lady etwas mehr Screentime hat als gewöhnlich, was mir ebenso sehr gefiel, das hier dann doch noch sehr ordentlich zurecht und sicherlich (Spoiler) wird dann am Ende ja doch noch sehr gewinnbringend weiterverkauft und umbeerdigt (Spoilerende), aber normal ist das Ganze so eigentlich nicht und gerade daher so sehenswert.
Schauspielerisch macht Ida Lupino ihre Sache als taffe Annie auch sehr ordentlich. Wen auch sonst hätte man für so eine Rolle besser besetzen können? Man nimmt ihr den wildgewordenen Feger nur zu gerne ab und ihre Grimassen sind einfach köstlich! Ihr nichtsnutziger Verlobter, der die Mine statt gegen eine Flasche Whisky gegen ein ganzes Fass des herrlichen Gesöffs eingetauscht hat und darauf auch noch stolz ist, wird von Alan Hale Jr. auch mehr als ordentlich verkörpert. Sicherlich wird er bei mir nie den Status seines Vaters erlangen können, aber das war schon ganz ok hier. Der schmierige Geschäftsmann ist auch annehmbar gewesen und die Cartwrights hatten hier sichtlich mehr Spaß als bei den sonstigen Cowboys-vom-Viehdiebstahl-abhalten-Manövern. Allen voran natürlich Pernell Roberts, der sich mit seinem Adam hier wie gesagt so langsam zu meiner Lieblingsfigur mausert und hier großartig gegen Lupinos intensives Spiel gegenhält. Die Chemie stimmt auf jeden Fall.
Und so ist es wie gesagt die ganze Folge hindurch und somit eine Freude selbige durchzugucken. Geht dann mit mal auch viel schneller rum als vergleichbare Episoden mit verliebten Jungspunden und ähnlichem. Wie gesagt die erste Bonanza-Geschichte, die mich komplett überzeugt hat, und ich habe die böse Vorahnung, dass sie es auch noch für einige Zeit bleiben dürfte. Aber wir sind jetzt gespannt und wieder wesentlich zuversichtlicher für die nächste.
(★★★ +++)
